Piraten-Plattform boox.to führt Nutzungsbeitrag ein – & droht Buchbranche mit Legalisierung des Angebots

Auch E-Book-Piraten können Opfer des eigenen Erfolgs werden – so ist es jedenfalls boox.to ergangen, dem Branchenblog buchr*****.de zufolge die „womöglich größte deutsche Plattform für illegale E-Books“. Mehr als 36.000 E-Books umfasst das Angebot bereits, und der ständig wachsende Traffic drohte die Server in die Knie gehen zu lassen. Nach einer ausführlichen Diskussion innerhalb der Warez-Community haben die Betreiber sich nun entschlossen, ab Oktober einen Nutzungsbeitrag von 10 Euro zu erheben – der soll dann für jeweils 1.000 Downloads ausreichen. „Wir hatten auf der einen Seite die Wahl, uns zu schrumpfen. (…) Wir haben uns für ungebremstes Wachstum entschieden“, heißt es auf dem Community-Blog torbooks.org. Ungebremstes Wachstum? Wohin soll das führen? Für die boox.to-Macher ist das Ziel klar: „Wenn wir die große Mehrheit der digitalen Leser ereichen und das mit Anstand größte Angebot an Titeln haben, dann ist TorBoox das neue Spotify für Ebooks“.

„Wunschwelt der Verlage abbrennen“

Bereits jetzt dürfte das Angebot auf der Download-Plattform zumindest legale Buchverleih-Plattformen wie etwa sko***.de überflügelt haben – das Geschäftsmodell sah in diesem Fall schon bisher einen monatlichen Abopreis von 10 Euro vor, während sich das Angebot von E-Books dagegen noch eingeschränkt blieb – denn längst noch nicht alle großen Verlage sind mit im Boot. Bei boox.to sind die Verlage dagegen zwangsläufig mit von der Partie – denn ihr Content wird von Digital Natives geentert, die sich gegen überhöhtes Pricing und lästigen DRM-Schutz zur Wehr setzen. Zumindest sehen das die anonymen Betreiber so: „Im Augenblick haben wir es mit zwei Welten zu tun: der Wunschwelt der Verlage (was die Ebooks anbelangt), und der Realwelt, wo Amazon und die Buchpiraten die digitale Zeit nach den Verlagen ins Visier nehmen. Brennen wir also die Wunschwelt der Verlage ab, und hoffen wir, das die Mutigsten von ihnen sich in die Sprungtücher retten können.“

„Es ist vorstellbar, Geld an Verlage weiterzuleiten“

Man könnte natürlich auch sagen: die Warez-Szene in Deutschland professionalisiert sich. Indiz dafür ist neben dem neu eingeführten Nutzungsbeitrag wohl auch die Bennennung einer Kontaktperson (berndfleisig@posteo.de), die für „Presse und Verlage“ zuständig ist. Doch selbst wenn es Bernd Fleisig wohl nicht gibt – Sorgen machen sollte sich der legale Arm der Gutenberg-Galaxis schon. Denn mittlerweile droht boox.to nicht nur damit, noch erfolgreicher zu werden. Sondern spielt sogar mit dem Gedanken, sich zu legalisieren: „Durchaus vorstellbar, dass wir den Autoren und Verlagen einen Weg zeigen, wie mit digitalem Content Geld zu verdienen ist. Durchaus vorstellbar, dass wir sogar bereit sind, unser Modell in diese Richtung weiterzuentwickeln. Durchaus vorstellbar, dass wir keine Einwände haben, das Geld zum großen Teil an Verlage und Autoren weiterzuleiten, denen es nach herkömmlicher, leicht antiquierter Rechtsauffassung ja zusteht.“

Abb.: flickr/lamont_cranston

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „Piraten-Plattform boox.to führt Nutzungsbeitrag ein – & droht Buchbranche mit Legalisierung des Angebots“

  1. Oh wie hochherzig sind die Piraten. Sie greifen Verlage an, nicht Autoren. Und bombardieren dabei so nebenbei die sich gerade bildende Möglichkeit von Autoren, unabhängig von den Verlagen zu veröffentlichen. Damit zementieren diese Piraten die Macht der Verlage – um irgendwann selbst „legalisierte“ Verleger zu werden. Um den Autoren ihren Niedriglohn zu diktieren? Auf der Strecke bleiben nämlich gerade die unabhängigen Autoren, die eben keine großen Werbe-Etats oder die entsprechenden Beziehungen haben. Und die von ihren Büchern kaum überleben können.

    Welch ein hochherziges Geschäftsmodell, das Leser mit billigen Büchern beglückt und dabei ignoriert, daß ein junger Autor keinen internationalen Markt hat, wie die Musik. Er ist an seine Sprache gebunden. Und die Kosten für eine Übersetzung kann er nicht aufbringen.

    Was bleibt, sind Groschenromane.

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