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Pionier des Electric Pencils: Jerry Pournelle (1933-2017) schrieb 1977 als erster Autor weltweit einen Roman am PC

13 Sep 2017 0 Kommentare

pournelle-schreibt-am-pcNicht nur Sci-Fi-Leser, auch Sci-Fi-Autoren sind meist sehr technik-affin, zum Beispiel wenn es um Schreib- und Lesemedien geht. Als vor ziemlich genau vierzig Jahren – also 1977 – in Kalifornien zum ersten Mal in der Literaturgeschichte die Schreibmaschine einem Personal Computer wich, saß nicht zufällig Jerry Pournelle am Keyboard: der ehemalige Luft- und Raumfahrtingenieur hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einige Romane im Hard & Military-Sci-Fi-Bereich ganz traditionell getippt, wollte nun aber die allerneueste Büro-Technologie nutzen, um Texte schneller zu produzieren.

12.000 Dollar in PC-Technik investiert

Ein Freund hatte Pournelle auf seinem PC das Programm „Electric Pencil“ vorgeführt, das erste Textverarbeitungs-Programm überhaupt, seit 1976 auf dem Markt. “When he showed me Electric Pencil, primitive as it was with only 14 lines of 64 characters on a monochrome monitor the size of a small black and white TV, I was hooked“, erinnerte sich Pournelle gegenüber The Verge. Aus rein praktischen Erwägungen griff Pournelle dann tief in die Tasche, das ganze System kostete ihn 12.000 Dollar — doch dafür konnte er seine Manuskripte nicht nur schneller schreiben, sondern vor allem dank der komfortablen Editier-Möglichkeiten auch einfacher überarbeiten.

Karriere als elektronisch enhanceter Vielschreiber

Die Investitionskosten, so schätzte Pournelle, hätten sich durch den erhöhten Titelausstoß und dadurch erhöhte Verkaufszahlen bereits nach einem Jahr amortisiert. Pournelle blieb zeit seines Lebens — er starb letzte Woche im Alter von 84 Jahren — ein elektronisch enhanceter Vielschreiber, u.a. entstanden an seinem PC einige Romane in Zusammenarbeit mit dem Ringworld-Autor Larry Niven, etwa das First-Contact-Spektakel „The Mote in God’s Eye“ (dtsch.: „Splitter im Auge Gottes“) und die postapokalyptische Story „Lucifer’s Hammer“ (dtsch.: Luzifers Hammer).

Bisher kein früherer Pionier bekannt

Vielleicht findet die Forschung ja irgendwann noch einen Early Adopter, der Pournelle zuvor kam, bisher jedenfalls ist der Sci-Fi-Romancier auch in der Fachliteratur als Digital-Pionier anerkannt. So schreibt etwa Matthew G. Kirschenbaum in „Track Changes: A Literary History of Word Processing“, Pournelle hätte „a strong claim to having been the first author to have written published fiction on a word processor.”

Abb.: Pournelle im Jahr 1979 vor seinem DIY-PC mit Zilog Z-80-Chipsatz, 64-Zeichen-Hitachi-Monitor und CP/M-Betriebssystem

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