PersonalNews ist da: Syntops startet individuelle Tageszeitung – deutschlandweit, aber nur als E-Paper
| 1 Feb 2010 | Ansgar Warner | 0 Kommentare |
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“Willkommen in der Chefredaktion”: Mit PersonalNews gibt es ab heute eine individualisierte Tageszeitung, die deutschlandweit erscheint -- allerdings nur online. Für 25 Euro monatlich können Leser zum Redakteur werden -- und sich ihr E-Newspaper aus den Rubriken von etwas mehr als einem Dutzend nationaler und internationaler Blätter zusammenstellen. Gelesen wird direkt via Browser oder per PDF-Download.
Die Zeitung Marke Eigenbau funktioniert voll automatisiert
“Mass Customization” klingt wie die Quadratur des Kreise -- wie soll man ein Produkt massenhaft herstellen und zugleich maßgeschneidert? Doch das Internet hat mittlerweile genau das in vielen Bereichen ermöglicht -- vom individuell gefertigten Möbelstück über das Custom-Fahrrad bis zum kompletten Fertighaus. Die Syntops GmbH in Augsburg bietet mit PersonalNews nun eine Zeitung “Marke Eigenbau” an. Die Abonnenten der “individuellen Tageszeitung” können nicht nur wählen, welche Rubriken aus welchen Blättern in ihrer Ausgabe enthalten sein sollen -- sie bestimmen auch, an welchen Tagen der Woche sie ihre Zeitung erhalten wollen. Beim Start mit dabei sind deutsche Blätter wie Welt, Berliner Morgenpost oder Müchner Abendzeitung, aber auch internationale Zeitungen wie Shanghai Daily oder Washington Post (siehe auch die Liste der verfügbaren Titel). Um PersonalNews möglich zu machen, setzt Syntops auf eine selbst entwickelte Software: Vom Datentransfer der beteiligten Verlage über das Zusammenstellen der Inhalte bis zur Zustellung läuft alles vollständig automatisiert.
Für eine deutschlandweite Print-Ausgabe fehlt noch die Logistik
Entscheidend für das Leseerlebnis ist die Größe des Displays
Rein technisch ist die Lektüre im Browser durchaus überzeugend, neue Seiten werden in wenigen Sekunden geladen, vorausgesetzt natürlich, man verfügt über genügend Bandbreite. Der Lesekomfort wird jedoch dadurch eingeschränkt, dass es nur zwei Zoomstufen gibt. Insofern sollte man PersonalNews besser in der PDF-Version nutzen -- da auf harten DRM-Schutz verzichtet wurde, kann man die Datei auf jedem verfügbaren Gerät öffnen. Entscheidend für das Leseerlebnis ist letztlich die Größe des Displays: grundsätzlich kann man PersonalNews nicht nur auf einem 6-Zoll-E-Reader nutzen, sondern sogar auf iPhone oder iPod Touch. Doch wirklich sinnvoll ist das nicht: je mehr die Größe der Original-Seite von der Display-Größe abweicht, desto mehr muss man auch zoomen und scrollen (siehe unser Testvideo). Immerhin lässt sich durch das Zoomen einem Problem entgehen, das beim Druck einer individualiserten Zeitung entsteht -- schließlich müssen unterschiedlich große Layouts auf ein einheitliches Papierformat gebracht werden. Die niiu etwa hat das Berliner Format, in dem etwa die taz erscheint -- dadurch mussten viele größere Zeitungen stark heruntergezoomt werden. Sobald die PersonalNews in die Druckerpresse kommt, wird auch sie vor diesem Problem stehen. Beim individualisierten E-Newspaper für E-Reader und andere Mobilgeräte gibt’s auf Dauer wohl nur eine Lösung -- der Content muss dynamisch aufbereitet werden -- wie etwa bei den Kindle-Ausgaben von FAZ oder New York Times.
PersonalNews hat als Zielgruppe vor allem Geschäftsleute im Auge
Dynamischer Content dürfte auch im Interesse der Werbekunden liegen. Schon jetzt können Anzeigenkunden bei PersonalNews wie auch bei Niiu Leser in bestimmten Regionen, oder sogar nur in einem Stadtvierel ansprechen. Bisher wird das normale Zeitungslayout jedoch nicht aufgebrochen -- individuelle Anzeigen werden auf zusätzliche Seiten gestellt. Doch auch das scheint sich zu lohnen. Erste Erfahrungen mit einer individualisierten Zeitung hat Syntops bereits hinter sich -- zwischen 2008 und 2009 lief ein Modellversuch in der Schweiz. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Post wurde ein kleiner Kreis von Abonnenten damals auch bereits mit gedruckten Ausgaben beliefert. Die Macher der niiu haben ihr Konzept vor allem auf studentische Leser ausgerichtet, die meisten Abonnenten kommen Wanja S. Oberhof zufolge aus den Berliner Bezirken Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg. Bei Syntops hat man eine andere Zielgruppe im Auge: es geht vor allem um Geschäftskunden, die unterwegs nicht auf ihre tägliche Lektüre verzichten wollen -- von der Regionalzeitung bis zur internationalen Presse. Für diesen Premiumservice zahlt man 25 Euro -- ein recht hoher Preis für ein reines E-Paper -- die gedruckte niiu lesen Studenten bereits für dreißig Euro pro Monat. Letzlich hängt die Attraktivität beider Modelle aber wohl auch vom Angebot ab. Hat man genügend Blätter zur Auswahl, dürften die Zeitungen Marke Eigenbau auch genügend Leser finden. Ob die niiu ihr selbst gesetztes Ziel -- 5000 Leser während der ersten 100 Tage -- tatsächlich erreicht hat, wird man schon im Februar erfahren können. Syntops dürfte es bei der Jagd nach Kunden grundsätzlich wohl leichter haben -- schließlich ist die digitale PersonalNews im gesamten deutschen Sprachraum lieferbar.








