Personalisiert, aber ohne „Ausblendle“-Effekt: Online-Kiosk Blendle will Filter-Bubble zum Platzen bringen

blendle-bringt-filter-bubble-zum-platzenGerade erst beklagte ZEIT Online-Chef Jochen Wegner: „Ein Platz 1 in den Blendle-Wochen-Charts bringt dreistellige Erlöse“. Doch für Blendle lohnt sich Blendle auf jeden Fall: kaum zwei Jahre nach dem Start habe man die Schwelle von einer Million Leser durchbrochen, hunderttausende davon seien auch aktive Nutzer, so Alexander Klöpping, der Mit-Gründer des journalistischen Häppchen-Portals, in einem Blog-Beitrag.

Kontra die „Klickdatur“ von Facebook & Co.

Klöpping klopfte sich dabei gleich auch mal branchenpolitisch kräftig auf die Schulter: Weil man den Lesern durch aufwändige Kuratierung des Artikel-Angebots helfe, die besten Stories zu finden, kämpfe man damit erfolgreich gegen die automatische „Klickdatur“ der großen Filterblase von Portalen wie Facebook, die auf immer stärkere Personalisierung setzen.

Die Blendle-Community sieht das ähnlich: „Viele unserer Leser fühlen sich unwohl, wenn’s um das Thema Personalisierung geht. Es gibt die Angst, nur noch Artikel präsentiert zu bekommen, denen man zustimmt, anstelle von Stories, die herausfordern“, schreibt Klöpping.

Neuer Premiums-Stream enthält „unerwartetes“

Einen Journalismus, der spaltet, statt zu informieren, das will man bei Blendle auf keine Fall. Mehr Personalsierung ist aber schon erwünscht. Deswegen hat man nun … einen Algorithmus entwickelt, der die „Filterblase zum Platzen“ bringen soll. Der neue „Blendle Premium Stream“ sei zwar extrem personalisiert, enthalte aber eben auch unerwartetes, so Klöpping.

Also mit dem Filter gegen die Filter-Bubble? Man darf gespannt sein. Den Blick über den digitalen Tellerrand erhalten bisher nur ausgewählte Test-Leser, demnächst soll das Roll-Out für die gesamte Blendle-Leserschaft beginnen. Ironischerweise setzen die großen Social Media-Portale selbst ja inzwischen nicht mehr nur auf Algorithmen, sondern bauen Teams aus menschlichen Kuratoren auf, um die Content-Auswahl im Nachrichten-Strom besser abzustimmen. Gute Personalisierung scheint also beides zu brauchen, händische Kuratierung und Filter-Algorithmen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".