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Perlentaucher der veröffentlichten Meinung: „Commentarist“ fischt Stimmen der Kolumnisten aus dem Netz

4 Jan 2011 0 Kommentare

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Was Deutschland denkt, steht nicht nur in der BILD-Zeitung, aber auf jedem Fall im Internet. Ein neuer Aggregator-Service namens „Commentarist“ soll nun das Auffinden von digitalen Kommentaren & Kolumnen zu tagesaktuellen Themen erleichtern – abgedeckt werden die Meinungen von mehr als 1000 Journalisten und 16 Tageszeitungen. Momentan läuft das Projekt noch in der Beta-Testphase, mit einem Einladungs-Code lassen sich die Funktionen jedoch bereits nutzen.

Zwischen Google News und Perlentaucher

Aggregatoren haben nicht gerade einen guten Ruf. Sie filtern automatisch Nachrichten aus dem Netz – ohne den Inhalt wirklich zu verstehen. Oft wittern die Urheber auch geistigen Diebstahl, selbst wenn nur kurze Anreißer zu lesen sind. Auf einen Dienst wie Google News etwa sind die deutschen Zeitungsverlage nicht sehr gut zu sprechen. Doch auch wenn die ursprünglichen Texte paraphrasiert werden – wie etwa beim Feuilleton-Portal Perlentaucher – kann es Konflikte geben. Dessen ungeachtet wollen Eric Hauch und Mircea Preotu ihre Netze im Web auswerfen. Sie sind die Macher von „Commentarist“, einem neuen Aggregator-Service für die veröffentlichte Meinung: „Wir vereinen tagesaktuelle Kommentare & Kolumnen von mehr als 1000 Journalisten der führenden deutschen Medien, komfortabel kategorisiert und thematisch sortiert“. Im Fadenkreuz stehen dabei 16 meinungsstarke deutsche Tageszeitungen, von der FAZ bis zur Süddeutschen, vom Handelsblatt bis zur taz. Einzelnen Stimmen soll man direkt per RSS folgen können.

„News is free, Opinion is priceless“

Was Commentarist damit bieten will, ist letztlich ein repräsentatives Abbild der veröffentlichten Meinung, geordnet nach Themenclustern. Ein ausgefuchster Algorithmus sorgt dafür, dass tatsächlich nur Kommentare & Kolumnen vor dem Auge des Betrachters erscheinen. Die Beschränkung auf namentlich bekannte Autoren ist natürlich ein zusätzlicher (Qualitäts-)Filter. Auf Quellcode alleine verlässt sich das Projekt allerdings nicht. Der Commentarist ist nämlich als Hybridmodell gedacht: „Die Fußarbeit erledigen unsere intelligenten Algorithmen, den Feinschliff aber übernehmen unsere Journalisten.“ Insofern darf man also letztlich eher eine Mischung aus Google News & Perlentaucher erwarten. Am Ende bekommt man aber immer nur einen Teaser des Originaltextes präsentiert. Hauch und Preotu erwarten offenbar, dass sich trotz aktueller Diskussionen um das Leistungsschutzrecht eine gemeinsame Geschäftsgrundlage mit den Zeitungsverlagen finden lässt. Falls alle Stricke reissen sollten: Firmensitz der „Commentarist SRL“ ist im rumänischen Timisoara.

(via CARTA & netzwertig.com)

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