Per iPad-App ins 19. Jahrhundert: British Library macht literarische Schätze mobil

Die British Library ist mit über 150 Millionen Werken nicht nur eine der größten Bibliotheken weltweit, sie ist auch medial ganz weit vorn. Ihre größten Schätze hat sie bereits vor einiger Zeit auf das iPad gebracht. Während man mittelalterliche Urkunden aber nicht so ohne weiteres entziffern kann, ist das bei der neuen App anders: sie versammelt mehr als 1000 historische Leckerbissen aus dem 19. Jahrhundert, darunter auch viele literarische Klassiker von Mary Shelley bis Arthur Conan Doyle. Die „19th century collection“ kann man kostenlos im App Store herunterladen.

Sherlock Holmes ist auch mit dabei

Wer schon immer mal Sherlock Holmes, Frankenstein oder Robinson Crusoe in einer nostalgisch vergilbten Ausgabe lesen wollte, kann dies nun ganz bequem auf dem iPad tun. Die neue App der British Library bringt mehr als 1000 bekannte & unbekannte Klassiker auf’s Tablet. Wie wäre es mit der Lokalgeschichte von Long Island oder einer Studie zur Entdeckung Nordamerikas durch die Wikinger? Zu den verfügbaren Beständen gehören auch viele geographische und naturgeschichtliche Titel, die mit ihren aufwändigen Illustrationen einen ganz besonderen Augenschmaus bieten. Das vom Unternehmen BiblioLabs unterstütze Scan-Projekt bringt die Originale in großartiger Qualität Seite für Seite auf das Display. „iPad allows for a level of intimacy with these antiquarian books that evokes a sense of engagement and curiosity that is not possible in a browser based experience“, so Mitchell Davis, einer der BiblioLabs-Gründer.

Auf dem Display kommt reales Buchgefühl auf

Tatsächlich hat man hier den Eindruck, sich durch reale Bücher zu bewegen – auch Einbände und Schmutztitel sind mit dabei. Umgeblättert wird per Fingerwisch, dank einer Laufleiste hat man jedoch zugleich die Möglichkeit zum raschen Durchscrollen. Die Zoomfunktion ermöglicht zudem, sich alles so genau anzuschauen, als würde man mit einer Lupe im Lesesaal sitzen. Vor allem ist aber die Sammlung ingesamt sehr gut kuratiert. In der Übersicht findet man mehr als ein Dutzend verschiedene Themengebiete, die von Geographie und Geschichte unterschiedlichster Regionen bis zu Roman, Dichtung und Drama reichen. Unter der Rubrik „Curated“ sind zudem alle Werke versammelt, die mit besonderen Erläuterungen versehen wurden, allerdings nur ein kleiner Teil der gesamten Kollektion.

App soll demnächst mehr als 60.000 Titel umfassen

Die aktuelle App zur „19th century collection“ ist nur der Auftakt zu einem weitaus größeren Projekt: in ein wenigen Monaten will die British Library über die App sogar mehr als 60.000 historische Titel aus dem Public Domain-Bereich verfügbar machen. Der erweiterte Service wird dann allerdings kostenpflichtig sein, an einem entsprechenden Pricing-Modell wird momentan noch gearbeitet. Die Londoner National-Bibliothekare versuchen schon seit längerem, ihre Bestände einem möglichst großem Nutzerkreis zugänglich zu machen. Über ihre Website bietet sie Zugriff auf mehr als 4 Millionen digitalisierte Werke und lockt jährlich mehr als zehn Millionen virtuelle Besucher an. Mit ihrer „Treasures“-App brachte sie 2010 bereits die spektakulärsten Bestände auf das iPad – von der Magna Carta bis zu Charles Dickens-Manuskripten.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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