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Paradox, oder: Der Buchhandel am Abgrund der Peinlichkeit

23 Nov 2015 2 Kommentare

paradox-buchhandel-am-abbrund-der-peinlichkeitSieht die die Welt tatsächlich so aus, wie wir sie wahrnehmen, oder bekommen wir nur gefilterten Content vor die Linse, den höhere Wesen für uns kuratiert haben? Auf Basis dieser galaktische Gretchenfrage hat Indie-Autor Phillipp P. Peterson seinen Sci-Fi-Roman „Paradox – Am Abgrund der Ewigkeit“ konstruiert, und damit nicht nur einen Kindle-Bestseller gelandet, sondern auch einen mit 30.000 Euro dotierten Literaturpreis eingeheimst – inklusive Verlagsvertrag bei Bastei Lübbe.

Gewinner-Label als Ausschlusskriterium?

Nun könnte „Paradox“ flächendeckend als Print-Version in den stationären Buchhandel kommen, gäbe es da nicht ein kleines Problem. Denn beim Literaturpreis handelte es sich um den von Amazon ins Leben gerufenen „Kindle Storyteller Award“ (E-Book-News berichtete), der anlässlich der letzten Frankfurter Buchmesse erstmals vergeben wurde. Und wie bei solchen Auszeichnungen üblich, prangt das Gewinner-Label des KSA auf dem Cover der von Bastei Lübbe herausgebrachten Taschenbuch-Version, dabei enthalten ist auch ein mehrere Millimeter großer „Kindle“-Schriftzug.

„Schlag gegen unabhängigen Buchhandel“?

Das schmeckt den Overlords der Gutenberg-Galaxis überhaupt nicht, schon alleine die verlegerische Zusammenarbeit eines Verlages mit der buchhändlerischen Online-Konkurrenz aus den USA sei „unglaublich“, der aufgedruckte namentliche Erwähnung jedoch erst recht „dreist“, schallt es durch die virtuellen Gassen. Von einem „Schlag gegen den unabhängigen Buchhandel“ spricht Ravensbuch-Händler und Buy Local-Vorsitzender Michael Riethmüller, und will den Titel gar nicht erst anbieten.

Indie-Bestseller im Regal längst normal

Wie peinlich! Wie kleinlich! Könnte man jetzt rufen. Doch was soll’s. Den grundsätzlichen Trend wird das nicht aufhalten. Immer mehr Titel schaffen es vom elektronischen Self-Publishing-Bestseller zum traditionell verlegten Taschenbuch, das dann in die Regale der Buchhandlungen gelangt. Nicht nur die Verlage, auch der unabhängige Buchhandel fördert solche Modelle übrigens und profitiert davon, siehe das neue Self-Publishing-Konzept von Tolino Media…

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