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Pappe for the People: NYT verteilt 1 Mio. VR-Brillen an Print-Abonnenten

23 Okt 2015

nyt-verteilt-google-cardboard-brille-an-print-abonnentenWas hat virtuelle Realität mit Zellstoff zu tun? Eine ganze Menge: mehr als 1 Mio. Abonnenten der gedruckten New York Times (NYT) erhalten bald per Post eine Google-Brille mit Pappe-Fassung. Der als „Google Cardboard“ vermarktete VR-Adapter ergibt kombiniert mit iPhone oder Android-Phone eine Art Oculus Rift für Arme – dieser 360-Grad-Rundum-Blick ist notwendig, um die vom New York Times Magazin produzierte 3D-Reportage „The Displaced“ anschauen zu können, die Anfang November an den Start geht. Passend zur allgegenwärtigen Refugee-Krise wird darin das Schicksal von drei Flüchtlings-Kindern aus Syrien, Süd Sudan und der Ukraine dargestellt.

Rundumblick soll Empathie erzeugen

„Im Kontext internationaler Berichterstattung hat das großes Potential“, kommentiert NYT-Magazin-Herausgeber Jake Silverstein, „denn dabei geht es ja darum, unseren Lesern Nachrichten und Geschichten von fernen, unzugänglichen Orten nahezubringen“. Mit der immersiven Video-Technik könne man das Publikum nun mitten ins Geschehen stellen und auf neue Weise Empathie mit Themen und Personen erzeugen.

Um den in Zusammenarbeit mit dem VR-Startup Vrse produzierten 360-Grad-Streifen auch wirklich im Panorama-Modus anschauen zu können, müssen die bebrillten Leser auf ihrem Smartphone zuvor noch eine spezielle VR-App der NYT installieren, die parallel zum Filmstart online geht. Eine 2D-Version von „The Displaced“ wird aber ebenfalls via NYT-Homepage und Youtube veröffentlicht.

Vertriebsnetz der NYT als VR-Booster

Schon bisher kooperiert die altehrwürdige NYT nicht nur mit Google, sondern auch mit Facebook, Twitter & Co. – zumindest um Online-Inhalte auf optimale Weise zu den Lesern zu bringen. Doch so hybrid wie jetzt war bisher wohl kein Projekt: „Die große Ironie dabei ist: um mehr als einer Millionen Menschen die neueste Storytelling-Technologie zu liefern, werden hier eine 164 Jahre alte Print-Zeitung und ihr immer noch beeindruckendes Vertriebsnetz benutzt“, so NYT-Vizechefin Meredith Kopit Levien.

Da ist wohl auch was dran – aber wenn’s hilft, warum nicht. Das Wired-Magazin spricht wohl zu recht vom „big mainstream moment“ für das Thema Virtuelle Realität. Wenn dieser Durchbruch gelingt, dürften nicht nur Zeitungsverlage davon profitieren…

(via Teleread & ReadWrite)