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O’zapft is: Mit dem Portal Nachrichten.de steigt Burda ins Aggregator-Geschäft ein

20 Okt 2009

burda-macht-mit-aggregator-nachrichtende-googlenews-konkurrenz-bild_pixelio_tommysGoogle News machte es vor: Wer braucht im Zeitalter von RSS-Feeds, und Microblogging noch eine Zeitung? Es reicht ja, die unerschöpflichen Nachrichtenquellen des Internets anzuzapfen. Nun geht auch der deutsche Medienkonzern Burda diesen Weg – seit einigen Wochen ist der Aggregator Nachrichten.de online. Der neue Dienst wertet mehr als 500 verschiedene Internetquellen automatisch aus. Die angezapften Publisher sollen an den Werbeeinnahmen beteiligt werden – ähnlich wie bei Googles neuestem Aggregator-Projekt Fast Flip.

Web 2.0 ist oder Ausbeutung 1.? Die eigentlichen Urheber gehen weiterhin leer aus

Burdas neues Portal wertet Nachrichten aus mehr als 500 Quellen aus, neben Online-Newsportalen sind auch einige handverlesene Blogs dabei (u.a. Medienrauschen.de oder Onlinejournalismus.de). Neu ist, das die angezapften Seiten am Umsatz beteiligt werden. Dafür müssen sie einen Vertrag mit der Burda-Tochter Tomorrow Focus AG abschließen, die Nachrichten.de betreibt. Ausgezahlt werden zwanzig Prozent der Netto-Umsätze, allerdings erst, wenn sie den Wert von 500 Euro überschreiten. „Die Vergütung der Urheber wird durch das System damit nicht geregelt“, kritisiert Christiane Schulzki-Haddouti in einem Artikel für das Magazin MMM, „falls diese nicht mit den Publishern identisch sind, gehen sie leer aus“. Und die meisten Journalisten sind schließlich keine Herausgeber oder Verleger. Sehr viel Traffic ist jedoch für die erste Zeit ohnehin nicht zu erwarten: die auf dem Aggregator-Portal Nachrichten.de angezeigten Treffer tauchen – anders als bei Google News – nicht noch einmal extra in externen Suchmaschinen auf.

Technisch ist Burdas Aggregator nichts Neues – Rivva.de zapft schon seit 2 Jahren das deutsche Internet an

Burdas Aggregator Nachrichten.de ist technisch eigentlich nichts Neues – auch nicht in Deutschland. Nach dem Vorbild des amerikanischen Portals TechMeme gibt es schon seit 2007 auch hierzulande Rivva. Angezapft wird allerdings hauptsächlich die Blogosphere, inklusive Twitter. „Offizielle“ Nachrichtenkanäle kommen also nur indirekt vor. „Rivva versucht einen gewichteten Schlagzeilenüberblick über die deutschsprachige Blog- und Online-Medienlandschaft zu liefern“, so der Betreiber Frank Westphal. Die Software dahinter funktioniert nach dem Google-Prinzip: Entscheidend für die Position einer Nachricht ist die Zahl der Links, die auf sie verweisen. Anders als bei „Social News“-Diensten wie Webnews, Newstube oder Yigg findet keine direkte Bewertung durch die Rivva-User statt.

Google ist einen Schritt voraus – „Fast Flip“ bietet Premium-Content im Drucklayout

Auf der anderen Seite des Atlantiks ist man schon wieder einen Schritt weiter: mit „Fast Flip“ hat Google einen Premium-Dienst gestartet, der ausgewählte Nachrichten von Kooperationpartnern wie der New York Times, Washington Post oder Newsweek enthält. Die Artikel werden im Druckseiten-Layout dargestellt – und können zu einer Art persönlichem E-Newspaper gebündelt werden, dass man dann auf mobilen Endgeräten wie etwa dem iPhone lesen kann. Einen Teil der Werbeeinnahmen reicht Google an die beteiligten Verlage weiter. Vielleicht sieht so ja die gepflegtere Zukunft der Aggregatoren aus: die ganz wilden Zeiten des fröhlichen, ungefragten Anzapfens von urheberrechtlich geschützten Informationen sind jedenfalls bei solchen Formaten vorbei. Andererseits: Googles Scan-Projekt in den Bibliotheken läuft derweil munter weiter.

Bild: Pixelio/Tommys