Erika ist wieder da: OverType – ein Schreibmaschinen-Simulator

OverType-SimulatorEs scheint ja eine goldene Regel zu sein: ist ein analoges Medium erst mal verschwunden, wird es irgendwann vermisst, und am Ende täuschend echt digital simuliert. Auch die gute alte mechanische Schreibmaschine lebt jetzt mit dem von Ben Wheeler entwickelten Online-Tool OverType wieder auf — inklusive aller kleinen und großen Abweichungen des Schriftbildes. Buchstaben brechen nach oben oder unten aus, das Farbband bleicht langsam aus, und nicht zuletzt werden Tippfehler mit einem weiteren Buchstaben überschrieben (eben drum heißt’s ja „Overtype“).

Am Ende der Zeile klingt das Glöckchen

Das Ergebnis könnte dann tatsächlich direkt aus der Gabriele, Erika oder Hermes Baby stammen. Auch klanglich kann man nicht meckern, aus dem PC-Lautsprecher ertönen traditionelle Tippgeräusche, die Wagenbewegung (inklusive Rücklauf) und das Glöckchen am Ende der Zeile. Hat man erst ein paar Zeilen getippt, stellt sich tatsächlich ein extrem nostalgisches Gefühl ein…

Zeichen brechen aus, das Farbband schwächelt

Die Stärke der typografischen Abweichungen lässt sich stufenlos einstellen (dazu nutzt man die Hebel namens „Brokenness“ sowie „Ribbon Ink“), außerdem kann man zwischen drei Schrifttypen wählen und (durch Drücken der Escape-Taste) zwischen Schwarz und Rot als Schriftfarbe wechseln. Statt Fehler zu übertippen lässt OverType alternativ ein Korrekturband einspringen — das aber wie das Farbband auch so seine Abweichungen mit sich bringt.

Immer nur ein Zeichen zur Zeit

Beim flinken Eintippen von Texten im Browserfenster darf man sich zudem nicht wundern — wie bei der echten mechanischen Schreibmaschine gibt es eine Verzögerung, es kann eben nur ein Zeichen zur Zeit mit dem virtuellen Typenhebel auf’s virtuelle Papier gebracht werden. Überhaupt braucht man einen PC mit echter Tastatur, mit virtuellen Keyboards von Tablet oder Smartphone kommt OverType nicht klar.

Renaissance der Typewriter-Art in Sicht?

Doch gibt es eigentlich — vom Aha!-Effekt abgesehen — ernsthafte Anwendungsmöglichkeiten für OverType? Zumindest ein paar fallen mir ein: etwa grafische Elemente für Webseiten mit Vintage-Effekt, „maschinengeschriebene“ E-Mails (vielleicht auch zu Marketing-Zwecken!?), oder authentisch gelayoutete Briefe, die in den Text eines Romans eingefügt werden können. Nicht zuletzt könnte dank OverType auch die Typewriter-Art wieder aufleben, der analoge Vorgänger von Ascii-Art, Emojis & Co….

(via TheNextWeb)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Erika ist wieder da: OverType – ein Schreibmaschinen-Simulator“

Kommentare sind geschlossen.