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“Order of the Stick”: Comic-Reprint-Projekt sammelt auf Kickstarter 650.000 Dollar

13 Feb 2012 0 Kommentare

Was für ein mächtiges Trio: Comics, Self-Publishing & Crowdfunding brachen in letzter Zeit auf der Spendenplattform Kickstarter immer wieder neue Finanzierungs-Rekorde. Doch Independent-Zeichner Rich Burlew hat nun mit “OOTS” wirklich den absoluten Jackpot geknackt. Der Erfinder der 2003 als kostenloser Webcomic gestarteten Serie „The Order of the Stick“ sammelte von 8000 Unterstützern mehr als 650.000 Dollar ein. Ziel der noch laufenden Kampagne ist es, ältere Folgen des „comedy-fantasy-adventure“-Comics wieder in Papierform verfügbar zu machen. Für eine neue Auflage fehlte Burlew schlicht das Geld – und so probierte er es mit einem Pre-Order-Modell via Kickstarter. Je nach Spendenhöhe wurden die Unterstützer nicht nur mit einzelnen OOTS-Ausgaben belohnt, sondern auch mit Goodies wie Kunstdrucken oder Kühlschrankmagneten. Der Erfolg ist deutlich sichtbar: Sämtlichte limitierten De-Luxe-Pakete mit handsignierten Ausgaben sind bereits ausverkauft, und das bereits eine Woche vor Ablauf der Aktion.

Strichmännchen aus der Rollenspiel-Welt

Der Serientitel „Order of the Stick“ ist Programm: denn die Helden der Serie sind kolorierte Strichmännchen („Stick Figures“). Rich Burlew selbst beschreibt sein Strichmännchen-Epos so: „Es erzählt die Geschichte einer heldenhaften Truppe, die in einer Rollenspiel-Welt lebt, und versucht mit Feinden, der Umgebung und den Spielregeln klarzukommen, außerdem mit ihrer eigenen Inkompetenz (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge)“. Wie es sich für einen guten Webcomic gehört, ist ein Großteil der Serie kostenlos auf der Seite Giant in the Playground zugänglich. Die Druckversion ist durchgehend farbig und wird in den USA auf FSC-zertifiziertem Recycling-Papier hergestellt. Das hat natürlich auch seinen Preis: dreißig Dollar kostet die Vorbestellung eines Bandes. Vom Erfolg der Kickstarter-Kampagne profitieren letztlich alle Comic-Freunde. Denn dank der eingesammelten Riesensumme werden jetzt alle sieben Bände der OOTS-Serie wieder längerfristig online und in Comicläden vorrätig sein.

Netzaffine Fan-Community als Erfolgsfaktor

Doch auch Kickstarter selbst kann einen weiteren Erfolg verbuchen – dabei finanzierte die Crowdfunding-Plattform schon im letzten Jahr im Comicbook-Bereich Monat für Monat mehr Neuerscheinungen als große US-Verlage wie Dark Horse oder IDW zusammen. Sechsstellige Summen waren allerdings Pre-Order-Produkten wie etwa styligen Armbändern für den iPad Nano oder Designer-Docking-Stations vorbehalten. Doch auch die Gaming-Community bringt offenbar ihre ganz eigene Online-Dynamik mit. Das zeigte vor wenigen Tagen das Beispiel des Videospiels „Double Fine Adventure“. Auf Kickstarter sammelten die Macher des Point-and-Click-Adventures in nur 24 Stunden mehr als eine Million Dollar von zehntausenden Unterstützern ein. Insofern ist wohl auch der Spendenrekord der Strichmännchen aus der Rollenspiel-Welt kein Zufall. Als der deutsche Comic-Zeichner Peter Wiechmann im Herbst 2011 auf mysherpas.com knapp 60.000 Euro für Reprints der legendären Primo-Hefte aus den Siebziger Jahren sammeln wollte (zum Vergleich: Rich Burlews Spendenziel war usprünglich 57.000 Dollar), kam nicht mal die Hälfte der Summe zustande. Die Zielgruppe der heute 45- bis 65jährigen Fans von Serien wie Andrax, Capitan Terror oder Odinson war offenbar nicht netzaffin genug.

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