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Online-Versand bringt Buchhandel ins Umsatzplus – E-Books werden weiter durch hohe Preise ausgebremst

25 Jun 2010

hohe-preise-bremsen-e-books.gifDer deutsche Buchhandel boomt. Zumindest im Vergleich zu den USA. Trotz Wirtschaftskrise gab es hierzulande im Jahr 2009 ein leichtes Umsatzplus von 0,8 Prozent, teilte diese Woche der Börsenverein mit. Die Association of American Booksellers (AAP) musste dagegen für den selben Zeitraum ein Minus von 1,8 Prozent vermelden. Ohne den dreistellig wachsenden E-Book-Markt wäre das Minus in den USA allerdings doppelt so groß ausgefallen. Im Deutschland verhindern überhöhte E-Book-Preise dagegen ähnliche Effekte.

Die „apothekerhafte Schwerfälligkeit“ der Buchhändler erschwert das Geldverdienen

„Das Buch ist Ware, wer sie verkauft, muss warenkundig sein, so wie der Rayonchef der Strumpfabteilung des Warenhauses viel von Strümpfen wissen muss“, schrieb vor fast hundert Jahren Kurt Tucholsky den deutschen Buchhändlern ins Stammbuch. Doch eine gewisse „apothekerhafte Schwerfälligkeit“ erschwere der Branche das Geldverdienen. Da hat sich inzwischen einiges getan – zumindest bei Print-Büchern. So kann etwa der Internet-Versandhandel ein Umsatzplus von mehr als 15 Prozent vermelden. Die Sortimenter halten sich wacker mit einem Marktanteil von knapp 50 Prozent. Auch die Verlage konnten beim Direktverkauf leicht zulegen. Bei digitaler Ware ist es aber offenbar mit der Kundigkeit des Buchhandels nicht sehr weit her. Zwar sprach Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder bei der Vorstellung der Wirtschaftszahlen für 2009 davon, „auf die laufende Medienrevolution zu antworten und sie zu nutzen“. Gleichzeitig bestand er aber darauf, dass allen heutigen Formaten, ob Papier oder digital, „allemal ein Buch als Prinzip zugrunde“ liege.

Börsenverein rechnet mit „breiten Nutzung von E-Books in fünf bis sechs Jahren“

Nun ist gegen Männer mit Prinzipien nichts zu sagen – wenn es denn die richtigen Prinzipien sind. Aber in diesem Fall gehören dazu leider auch Apothekerpreise bei E-Books. 40 Prozent der elektronischen Titel kosten nach einer Umfrage des Börsenvereins gleich viel oder sogar mehr als das gedruckte Buch. In Kombination mit nutzerunfreundlichem Digital Rights Management (DRM) bremst man ganz bewusst die Entwicklung des elektronischen Lesens in Deutschland aus. Vor allem zwei Faktoren bleiben ungenutzt – die Möglichkeit massenhaften Absatzes bei niedrigen Preisen, aber auch die Möglichkeit maximaler Reichweite durch Gratis- oder Freemium-Modelle. So machte etwa Amazon in den USA durch konsequente Low-Price-Politik elektronische Bücher zum Umsatzmotor einer ganzen Branche. Im Jahr 2009 überholten E-Books dort sogar das Hörbüch-Segment. Mit einer breiten Nutzung von E-Books in Deutschland rechnet der Börsenverein dagegen erst „in fünf bis sechs Jahren“! Das klingt allerdings eher nach einer „Self Fulfilling Prophecy“. Denn anders als in den Jahren zuvor sind nun erstmals günstige E-Reader unterhalb der 100 Euro-Schwelle in Sicht. Der Eintritt in den Massenmarkt könnte eigentlich sofort stattfinden. Damit das Leseland nicht den Anschluss verliert, sollten die Buchhändler sich also lieber nicht ihre eigene Untätigkeit durch Marktstudien bestätigen lassen, sondern in Sachen E-Books lieber Tucholsky beherzigen. Der hatte bereits vor mehr als siebzig Jahren eine dezidierte Meinung zum Pricing: „Macht unsre Bücher billiger! Macht unsre Bücher billiger! Macht unsre Bücher billiger!“