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Online-Händler jetzt US-weit umsatzsteuer-pflichtig: Stationäre Buchhändler erfolgreich mit Supreme-Court-Klage

5 Jul 2018

supreme-court-pro-umsatzsteuer„No taxation without representation“. In puncto Umsatzsteuer mutierte diese Parole aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu einem Internet-Konzern-Kalauer: viele Anbieter mussten nämlich jahrelang nur in dem Bundesstaat Umsatzsteuern entrichten, in dem sich ihre physische Firmen-Repräsentanz befand. Durch die Öffnunge vieler Plattformen für Dritt-Händler wurde das Problem noch weiter verschärft. Denn die USA hat bekanntlich 50 Bundesstaaten, ein Webstore aber ist überall erreichbar. So durften viele Online-Käufer steuerfrei shoppen, zum Verdruß des stationären Handels, der in Sachen Value Added Tax (VAT) natürlich überall von den Steuerbehörden zur Kasse gebeten wird. Man stelle sich nur mal vor, Amazon Deutschland hätte seinen Firmensitz z.B. im Bundesland Bremen, und würde nur von dortigen Käufern 19 % Umsatzsteuer berechnen…

Nicht zufällig waren es die Fronde der Buchhändler, genauer gesagt die American Bookseller Association ABA, die diesem unfairen Treiben nun Einhalt gebieten konnte: die Obersten Richter des Supreme Courts hoben Ende Juni ein älteres Urteil von 1992 auf. Die hatte kurz vor dem Beginn des E-Commerce-Booms eine Sonderregelung geschaffen, welche mehr als zwei Jahrzehnte die Kassen der Online-Händler kräftig klingeln ließ. Zwischenzeitlich hatten einzelne Bundesstaaten auch schon versucht, das weit klaffende Steuerschlupfloch zu schließen, allerdings erfolglos.

“Auf Bundes- und Landesebene hat uns dieses Alptraum-Szenario für viele Jahre in Atem gehalten“, so Carl Davis vom Think Tank „Institute on Taxation and Economic Policy“ gegenüber der New York Times. “Die aktuelle Entscheidung erlaubt nun dem Staaten wieder, ihre Steuerhoheit durchzusetzen und die Schieflage im stationären Handel zu beseitigen.“ Auch für die öffentliche Hand handelte es nun wirklich nicht um Peanuts — Jahr für Jahr entgingen dem Fiskus US-weit geschätzte 33 Milliarden Dollar.

(via NYT & Börsenblatt)

Abb.: Siegel des US-Supreme Courts (gemeinfrei, cc-0)