Ohne DRM? Gut für Image! Drittgrößter US-Comicverlag verzichtet auf Kopierschutz

„Erwirb sie, um sie zu besitzen“ – so lautet ab jetzt das Motto beim US-Comicverlag Image. Denn der drittgrößte Sprechblasen-Publisher in den USA verabschiedet sich von DRM: wie jetzt auf der Image Expo Convention angekündigt wurde, kann man zukünftig Comicserien wie „Walking Dead“, „Saga“ oder „East of West“ direkt auf den Desktop oder ein Mobilgerät herunterladen. Wahlweise als PDF, epub oder im Comicfreundlichen CBR oder CBZ-Format. Die bei E-Comics übliche App-Einbindung hat genau das bisher verhindert – beliebte Apps wie ComiXology oder iBooks erlauben schließlich keinen Export.

„Piracy is bad for bad entertainment“

Nach dem Sci-Fi-Verlag Tor Books ist Image bereits der zweite große Publisher von populären Genres, der auf lästigen Kopierschutz verzichtet. Wie bei Tor hat man auch bei Image keine Angst vor Piraten, ganz im Gegenteil: „Piraterie ist schlecht für schlechtes Entertainment“, so Image-Verleger Eric Stephenson gegenüber dem WIRED-Magazin. „Da gibt’s eine sehr enge Korrelation – Dinge, die nerven, werden nicht oft gerippt, während bei erfolgreichen Sachen die Piraterie-Rate deutlich höher ist.“ Doch Stephenson ist zugleich kein Anhänger der „Ersatzraten“-Theorie: „Wenn du ein gutes Comicbook herausgibst, und die Leute es illegal herunterladen, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass sie es dann auch kaufen, wenn es ihnen gefällt“.

Ohne Backup sind die Daten schnell Fix&Foxi

Welche Vorteile der Verzicht auf hartes DRM bietet, konnten deutsche Comicleser zuletzt beim gescheiterten Fix-und-Foxi-Relaunch lernen. Die lediglich mit digitalem Wasserzeichen versehenen Hefte ließen sich im PDF-Format herunterladen und problemlos auf dem Tablet oder E-Reader öffnen. Diese PDF-Backups kann man auch heute noch lesen, obwohl der Herausgeber nach einem Jahr Pleite ging – während App wie auch Online-Ressourcen längst im digitalen Nirvana verschwunden sind. Den Zusammenhang von DRM-Verzicht und Datensicherheit betont gegenüber dem WIRED-Magazin auch Ron Richards, bei Image zuständig für Business Development: „Wenn die Leute ein Comicbuch bei ComiXology kaufen, dann mag es sich zwar in ihrer E-Bibliothek befinden. Doch das ist nicht unwiderruflich der Fall. Wenn ComiXology – Gott behüte – eines Tages den Bach herunter geht oder ein Erdbeben den Serverpark zerstört, dann hast du gar nichts mehr.“

Neuer Boom für Direktverkauf durch Verlage

In den comicverrückten USA haben digitale Bildergeschichten für die Comicverlage schon weitaus größere Bedeutung erlangt als in Deutschland: Image etwa macht bereits 11 Prozent der Umsätze mit E-Comics, bis zum Ende des Jahres 2013 sollen es 15 Prozent sein. Beim Bestseller „Walking Dead“ liegt die Digital-Rate schon jetzt bei 22 Prozent. Bisher fand der Vertrieb fast ausschließlich über Apps statt. Die neuen DRM-freien Comics sind jedoch nur über die Image-Website erhältlich. Für den Direktverkauf dürfte das einen neuen Boom bedeuten, und zugleich mehr Geld pro verkauftem Exemplar in die Kassen des Verlags spülen, schließlich fallen auf diesem Wege keine Provisionen für die Gatekeeper des App-Universums an. Eigentlich eine Idee, die auch anderen Verlegern einleuchten müsste…

(via TeleRead & Wired)

Abb.: Screenshot

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".