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Oh my goodness: E-Books überholen Print auf Amazon.co.uk

7 Aug 2012

Kein Grund für Understatement: nach den USA verkauft Amazon nun auch in Großbritannien mehr E-Books als gedruckte Bücher, Paperback und Hardcover zusammengerechnet. Auf hundert Print-Versionen kommen auf der britischen Insel mittlerweile 114 elektronische Schmöker, teilte das Unternehmen jetzt mit. “Diesen Meilenstein haben wir in den USA erst vier Jahre nach dem Start des Kindles erreicht“, so Jorrit Van der Meulen, Vize-Chef der europäischen Kindle-Sparte. “In Großbritannien sind wir bereits nach zwei Jahren an dieser Wegmarke angekommen – das zeigt, wie schnell die britischen Leser unsere Reader angenommen haben.“ Dabei handelt es sich zudem um einen Punktsieg für E-Ink – Amazons Lese-Tablet Kindle Fire ist nämlich in England noch gar nicht lieferbar.

Self-Publishing als Umsatz-Treiber

Zum Erfolg beigetragen hat einmal mehr der besondere Lesehunger von Kindle-Besitzern. Amazon zufolge soll sich die Lektüre-Menge der Kunden nach dem Kauf des Readers durchschnittlich vervierfachen. Angefeuert wird der E-Book-Boom aber auch durch Megaseller wie E.L. James‘ Skandalroman „50 Shades of Grey“. Britische Leser haben innerhalb von vier Monaten mehr als zwei Millionen Exemplare heruntergeladen – und verbannten damit sogar Harry Potter auf die hinteren Plätze. Auch wenn „50 Shades“ mittlerweile bei einem renommierten Verlag erscheint – Sprungbrett für den kometenhaften Aufstieg von E.L. James war Amazons Kindle Direkt-Publishing-Programm. Tatsächlich scheint die Self-Publishing-Plattform auch in Großbritannien sehr gut zu funktionieren. Mit Nick Spalding, Katia Lief und Kerry Wilkinson stammen drei von zehn Bestsellern des bisherigen Jahres 2012 im britischen Kindle-Store von Independent-Autoren.

Naht Tipping-Point für gesamten Buchmarkt?

Interessanterweise meldete etwa der Guardian zunächst: „E-Books outsell Print in UK“, und präzisierte die Nachricht erst später in „Kindle-eBooks sales have overtaken Amazon Print-Sales“. Amazon wurde also schnell mal zum Synonym für die gesamte Branche gemacht. Doch bis E-Books den Löwenanteil des gesamten Buchmarkts im vereinigten Königreich ausmachen, wird es wohl noch etwas dauern. Bei Kindle-Books gibt’s schließlich keinen Konkurrenten für Amazon, bei gedruckten Büchern jedoch existieren zahlreiche gut etablierte Gegenspieler. Die müssen aber angesichts schwindender Umsätze zugleich um ihre Unabhängigkeit bangen. Bestes Beispiel ist die im Mai angekündigte Kooperation von Amazon mit Waterstones – in Zukunft werden die Kindle-Reader auchin den knapp 300 Filialen der größten britischen Buchhandelskette erhältlich sein.

Abb.: Daniel Rubio/Flickr