NYT hat’s geschafft: Zu 54% leserfinanziert dank Digi-Abos

Zeitungsabos? Kann man denn davon leben? Vor zehn Jahren hätte man da bei der New York Times noch den Kopf geschüttelt: No, sir! Damals trugen die Leser gerade mal 25 Prozent zum Umsatz bei. Das hat sich inzwischen radikal geändert, insbesondere nach Einführung der Paywall: die Zeitung ist erstmals in ihrer Geschichte leserfinanziert, wie die NYT diese Woche bekannt gab, tragen Abos der gedruckten Ausgabe wie auch digitale Abos mit 54 Prozent mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes.

„The Atlantic“ hat dazu jetzt eine interessante Grafik veröffentlicht: ab Mitte der Nuller Jahren brechen die Anzeigenerlöse rasant ein, in sechs, sieben Jahren haben sie sich halbiert. Das Geld wanderte fast komplett zu Google & Co., während Zeitungen selbst online kaum Geld mit Advertising verdienen. Soviel zum Thema Zeitungskrise. Seit den Jahren 2010 (iPad-Launch) und 2011 (Einführung des Metered-Paywall-Prinzips bei der NYT) wächst die Umsatzkurve der Digi-Abos dann aber mindestens ebenso steil nach oben. Seit 2012 überrundet die Digi-Abo-Kurve schließlich die Anzeigenerlös-Kurve, und dürfte im nächsten Jahr dann wohl auch die Print-Abo-Kurve schneiden.

Damit ist der NYT-Gruppe also schon jetzt gelungen, wovon Zeitungsverlage in Deutschland von Springer bis taz bisher nur träumen dürfen: die graue Lady hat den Umbruch im Anzeigengeschäft mehr oder weniger kompensiert, und dabei ein ganzes Stück Unabhängigkeit gewonnen.

Ähem. Mal abgesehen davon, dass die Rettung im Jahr 2009, dem Höhepunkt der Krise, nur mit einem 250-Millionen-Dollar Kredit des mexikanischen Multimilliardärs Carlos Slim gelang. Der Einfluss des nach Bill Gates zweitreichsten Mannes der Welt wächst weiter, allerdings kontrolliert die Eigentümerfamilie Ochs-Sulzberger immer noch zwei Drittel der Aufsichtsratsposten…

Abb.: Flickr/Dom Dada (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".