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Nur für Premium-Kunden: Amazon startet deutsche Kindle-Leihbücherei

16 Okt 2012

Für Vielleser gibt es ab jetzt noch ein weiteres Argument, auf Amazon zu setzen: parallel zur Premiere des neuen Kindle Paperwhite gab das Unternehmen auf der Buchmesse den Startschuss für die nationale Kindle-Leihbücherei. Ab Ende Oktober stehen knapp 8.500 deutsche Titel zur „kostenlosen“ Ausleihe bereit, insgesamt umfasst die Auswahl rund 200.000 E-Books. Eine Verleihfrist gibt es nicht, allerdings darf man jeweils nur einen Titel pro Monat ausleihen. Wie in den USA beschränkt sich die Nutzung des Verleih-Programms auf Premium-Kunden („Amazon Prime“), die eine Jahresgebühr zahlen. Für 79 Dollar erhalten US-Kunden neben Vorteilen wie Express-Versand auch kostenlosen Zugang zum Videostreaming von Kinofilmen und Fernsehserien. Deutsche Amazon-Kunden schauen in Sachen Videos leider noch in die Röhre, dafür kostet die Mitgliedschaft hierzulande auch nur 29 Euro pro Jahr.

Zu den prominentesten Titeln im neuen Verleihprogramm gehören wohl die sieben Bände der Harry-Potter-Serie. Die Kindle-Leihbücherei enthält aber auch populäre Titel deutscher Autoren wie „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ von Dora Heldt oder „Winterkartoffelknödel: Ein Provinzkrimi“ von Rita Falk. Deutsche Verlage zur Teilnahme am Verleih-Programm zu überreden, soll Jeff Bezos zufolge gar nicht so schwer gewesen sein: „Manche erlauben es, manche nicht, wir streiten darum nicht. Aber wir haben seit Längerem einen kleinen Button, mit dem die Kunden Feedback geben können, welche Bücher sie [auch als E-Book] lesen möchten – diese Daten teilen wir mit den Verlagen“, so der Amazon-Chef im Interview mit der „Welt“. In den Anfangstagen hätten die Verlage noch gefragt, ob sich das lohne, inzwischen sei das aber offenbar klar.

Daneben findet man in der digitalen Leihbibliothek zahlreiche Titel von Self-Publishing-Autoren, etwa Bestseller wie „Der 7. Tag“ von Nika Lubitsch oder „Männer unerwünscht“ von Karin Köster. Auch für die Independent-Fraktion liegen die Vorzüge auf der Hand. Zum einen schüttet Amazon im Rahmen des Kindle-Direktpublishing-Programms zusätzliche Provisionen aus, wenn man E-Books für das Verleihprogramm freigibt. Zugleich soll sich der Verleih nach Angaben von Amazon aber auch auch förderlich auf den normalen Verkauf auswirken: in den USA stieg der Umsatz durchschnittlich um 26 Prozent. Die Sache hat jedoch auch einen Haken: wer im Rahmen des „KDP Select“-Programms am Verleih teilnehmen, darf die betreffenden E-Books ausschließlich im Kindle-Store anbieten.

Anders funktioniert dagegen die individuelle „Kindle-Buch-Ausleihfunktion“ – sie ermöglicht den Verleih zwischen einzelnen Lesern, beispielsweise an Freunde oder Verwandte für jeweils 14 Tage. Während dieses Zeitraums ist das jeweilige E-Book für den Ausleihenden nicht lesbar. KDP-Autoren können diese Ausleih-Funktion aktivieren, ohne ihre Titel exklusiv bei Amazon vertreiben zu müssen. Dafür gibt es aber auch keine Provision für verliehene Exemplare. Als Marketing-Instrument dürfte der individuelle Verleih jedoch trotzdem sinnvoll sein – zumindest, sobald es verfügbar sein wird. Im deutschen Kindle-Store funktioniert dieses Feature nämlich zur Zeit leider noch nicht.

Abb.: Screenshot