„No Kindle required“: Amazons Reader-Software „Kindle für PC“ ist da

Amazon-Kindle-für-PC-ereader-Downloadstart.gifKindle ohne Kindle – das geht ab heute auch in Deutschland. Mit dem Download-Start für Amazons E-Reader Software „Kindle für PC“ wird praktisch jeder Microsoft-Computer zum elektronischen Lesegerät – vorausgesetzt, er läuft mindestens mit Windows XP und Service-Pack 2. Auch zahlreiche mobile Geräte können nun als E-Reader für E-Books im Kindle-Format dienen – inklusive des von Windows angekündigten Courier-Tablet. Nur Apple-Kunden müssen sich noch etwas gedulden – Mac OS X wird noch nicht unterstützt.

Ein fairer Deal – die Kindle für PC-Software ist kostenlos, der Kindle Reader kostet dagegen 280 Euro

Für deutsche Kunden ist Amazons neues Angebot ein fairer Deal: die Kindle-Software ist kostenlos, während die internationale Version des elektronischen Lesegeräts mit mehr als 280 Euro zu Buche schlägt. Dafür bekommt man allerdings nur ein beschränktes Angebot: Amazons Werbung („the only place to find some of today’s most popular books in digital format“) trifft schließlich nur auf US-Kunden zu – sie können tatsächlich unter mehr als 300.000 englischen Titeln wählen. Deutsche E-Book-Titel gibt es für den Kindle praktisch gar nicht – viele der englischen E-Books sind aber außerhalb der USA auf Grund von urheberrechtlichen Beschränkungen auch nicht lieferbar. Apple-Besitzer bleiben in Deutschland ohnehin ausgesperrt – denn selbst die Kindle-App für das iPhone funktioniert offiziell nur in Amazons Stammland (es gibt allerdings im Wired-Blog ein nicht allzu kompliziertes Workaround, das auch von Europa aus funktioniert).

Um Kindle für PC nutzen zu können, ist ein Account bei Amazon.com nötig


Kindle fuer PC E-Reader Amazon Software Registrierung.gifDoch der beste E-Reader ist ja – zumindest nach Meinung von Steve Ballmer – ein Microsoft-PC. Fehlt nur noch „Kindle für PC“: Die Software steht bei Amazon zum Download bereit – es handelt sich um einen automatischen Installer-Datei, deren Start vom Anwender mit einem Mausklick bestätigt werden muss. Kindle für PC wird dann direkt installiert und gestartet. Um „Kindle für PC“ benutzen zu können, ist allerdings ein Account bei Amazon.com notwendig – die meisten deutschen Nutzer werden sich deswegen neu registieren müssen, auch wenn sie bereits ein Konto bei Amazon.de haben. Mit dem neuen Login – der E-Mail-Adresse – und einem Passwort kann dann „Kindle für PC“ freigeschaltet werden. Wer nicht bereits einen Kindle-Reader besitzt und im Amzon-Shop E-Books gekauft hat, steht nun vor einem noch leeren Desktop. Klickt man auf „Shop in Kindle Store“, öffnet sich der Standard-Internetbrowser (also etwa IE), und man kann im E-Book-Angebot auf Amazon.com stöbern.

Kaum deutsche Titel, kaum aktuelle Bestseller: Ist der größte Kindle-Killer im Lande der Kindle selbst

Wer jetzt glaubt, schnell mal Dan Browns neuesten Thriller für zehn Dollar herunterzuladen, wird aber enttäuscht – man stößt auf die Meldung „This title is not available for customers from your location in: Europe“. Die Backlist im Bereich „Fiction“ für deutsch Kunden mag zwar gigantisch sein (97.000 Kindle-E-Books), doch aktuelle Bestseller sind auf den ersten Blick nicht zu entdecken.
Gut ist das Angebot dagegen bei internationalen Zeitungen und Zeitschriften: so gibt es etwa Abos von NYT, Le Monde, Washington Post oder Shanghai Daily, respektive von Titeln wie Time Magazine oder Newsweek. Etwas mager sieht’s dagegen auf deutscher Ebene aus: FAZ und Handelsblatt, dazu die Zeitschrift Wirtschaftswoche. Insgesamt macht sich bei der Benutzung von „Kindle für PC“ doch schnell Ernüchterung breit – der größte Nutzen der Software dürfte im Moment darin liegen, deutsche Nutzer vom Kauf eines Kindle-Readers abzuhalten. Denn ohne vernünftigen Content ist man zur Zeit wohl mit jedem anderen Lesegerät besser bedient. Der größte Kindle-Killer im Lande könnte der Kindle selbst werden.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".