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[e-book-review] Kein Land für Vegetarier (Matthias Herbert, Memiana)

4 Apr 2014

Matthias Herbert ist einer von den Autoren, die man kennt, ohne je ihren Namen gehört zu haben: schon seit mehr als 25 Jahren schreibt er nämlich Drehbücher für populäre TV-Serien. In der Fantasy-Gemeinde könnte der Name „Herbert“ aber wohl schon bald zum Markenzeichen werden – denn unter dem Titel „Memiana“ hat der Experte für Spannungsbögen nun einen literarischen „Myth Arc“ der besonderen Art geschaffen. Auch als Schrifsteller setzt Herbert dabei auf das Gesetz der Serie: Von „Ewige Wacht“ (Band 1, gerade erschienen) bis „Kampf um Memiana“ (Band 14, Erscheinungsdatum: 15.06.2017) werden die Leser in den nächsten drei Jahren alle drei Monate einen neuen Band dieser Fantasy-Saga in die Hände bekommen (siehe auch die aktuelle Folge der „Indie-Lounge“).

Wie bei vielen klassischen Fantasy-Stoffen von J. R. R. Tolkien bis George R. R. Martin spielt auch „Memiana“ mit der Sehnsucht nach einer archaischen Vorzeit, in der dem chaotischen Außen ein ständestaatlich geordnetes Innen gegenübersteht, die Esse qualmt, Schwerter klirren und die Schwarte kracht. Zugleich bricht „Memiana“ aber mit einer Fantasy-Gewohnheit: wenn hier auch einiges rätselhaft erscheint, magische Elemente von Alf bis Gandalf sucht man auf dieser fremden Welt vergeblich.

Phantastisch klingt es trotzdem, was uns der TV-erfahrene Worldmaker da präsentiert: Eine Welt ohne Nacht, geteilt in Salas sonniges Gelblicht und das Graulicht der Monde Polos und Nira. Eine Welt aber auch ohne Gnade, in der man schnell zum Gabelfrühstück von wilden Reißern wird. Wer sich im Graulicht nicht hinter den hohen Wällen befestigter Städte verbirgt, hat kaum eine Chance. Auch unter den Menschen wird man auf Memiana keine Vegetarier finden – denn das Reich der Pflanzen ist hier unbekannt. Basis des planetaren Stoffwechsels bilden die Phylen, eine riesige Herde zotteliger Ungetüme mit chlorophyllhaltiger Haut, die seit ewigen Zeiten rund um den Planeten trottet.

Held der Geschichte ist Jarek, ein Jäger und Wächter vom Volk der Xeno – ausgestattet mit ganz besonderen geistigen Fähigkeiten, die ihn in Kontakt mit dem kleinen Volk der Memo bringen, den heimlichen Herrschern von Memiana. Sie sind es, die mit ihrem uralten Expertenwissen das Gleichgewicht der politischen Kräfte auf Memiana garantieren, und praktischerweise zugleich wichtige Botschaften von Stadt zu Stadt tragen. Die Memos gelten als sakrosankt, doch gleich zu Beginn der Handlung werden einige von ihnen ermordet – das traditionelle Gleichgewicht zwischen den Völkern und Städten gerät ins Wanken. Zusammen mit Gefährten vom Volk der Solo, Vaka und Fero begibt sich Jarek auf eine gefährliche Reise, die ihn zunächst in die geheime Hauptstadt der Memo führen wird…

So episch dicht, stilsicher und spannend, wie schon Band 1 erzählt ist, könnte es Matthias Herbert wohl tatsächlich gelingen, einen ähnlichen Sog zu erzeugen wie George R.R. Martin mit „Game of Thrones“. Rein rechnerisch zumindest wird „Memiana“ spätestens im Herbst 2015 mehr Bände umfassen als Martins hierzulande unter dem Titel „Lied von Eis und Feuer“ veröffentlichte Serie. Auch über eine Verfilmung von „Memiana“ würde ich mich nicht wundern, wer das Drehbuch schreibt, ist ja schon mal klar.

Eine Übersicht der insgesamt 14 geplanten Bände von Memiana findet man auf Memiana.de, dort erfährt man auch einiges zur Biografie des Autors. Die Kindle-Version von Band 1 der Serie ist zum Preis von 6,99 Euro bei Amazon erhältlich, die epub-Version z.B. bei epubbuy. Band 2 („Die verborgene Stadt“) erscheint am 15. Juni 2014

Abb.: Coverausschnitt „Graulichtreiter“, Memiana Band 13