Niedriger Preis, große Auswahl: Hörbücher in Deutschland erfolgreicher als E-Books

Hörbücher in Deutschland bisher erfolgreicher als E-Books_Bild_Pixelio_Doatsch.gifHörbücher sind bisher die großen Gewinner im medialen Wettkampf: mehr als 420.000 haben die Bundesbürger im ersten Halbjahr 2009 heruntergeladen, gab der Branchenverband Bitkom bekannt. E-Books haben dagegen noch mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen: anders als im Falle von Hörbüchern kann man laut Börsenverein nur 37% aller Neuerscheinungen auf einem E-Reader lesen. Die meisten E-Books werden zum Preis der Printversion verkauft, Hörbücher gehen dagegen für durchschnittlich zehn Euro über den Ladentisch.

Breitband-Internet macht Hörbuch-Downloads attraktiver

Sie lassen sich auf gängigen MP3-Playern anhören, und kommen per Download auf den PC oder iPod: Hörbücher sind wenn man so will die besseren E-Books. Und sie bescheren der Branche erstaunliche Wachstumszahlen: 31 Prozent mehr Downloads wurden laut Bitkom im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 verzeichnet. Ein Grund für den Erfolg: Die Durchschnittspreise sind im Vergleich zu E-Books erfreulich niedrig: aktuell liegen sie bei 9,53 Euro. Dabei wird es aber nicht bleiben: „Mit zunehmender Nachfrage werden die Preise für Hörbücher weiter sinken“, erklärte BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. Zu dem Boom trägt offenbar auch eine bessere Infrastruktur bei: „Mit dem Breitband-Ausbau werden Hörbuch-Downloads für immer mehr Menschen attraktiv“, sagte Berg. Mittlerweile verfügen fast zwei Drittel der Haushalte über Breitband-Internet. Doch auch die Masse macht’s: denn im Vergleich zu E-Books sind im Hörbuch-Segment fast alle Bestseller auch mit dem Ohr konsumierbar. Insgesamt ist der Marktanteil freilich noch vergleichsweise gering: 4 Millionen Euro im Bereich Hörbücher stehen einem Gesamtvolumen des Buchmarkts von mehr als 9 Milliarden Euro gegenüber.

E-Books sind „Umsatzzwerge mit Wachstumspotenzial“

Noch geringer ist der Marktanteil von E-Books: im ersten Halbjahr 2009 wurden in Deutschland nach Angaben von dpa nur 65.000 elektronische Bücher verkauft. Recht schmal ist allerdings auch das Angebot: einer Umfrage des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren im Börsenverein zufolge sind lediglich 37 Prozent der Neuerscheinungen auch als E-Book erhältlich. Vorreiter sind dabei Verlage aus dem Bereich Fachbuch&Wissenschaft, hier liegen 51 Prozent der Neuerscheinungen als E-Book vor. Geld wird mit E-Books unter diesen Umständen bisher kaum verdient: Fast 80 Prozent der befragten Unternehmen machen weniger als ein Prozent ihres Umsatzes mit elektronischer Lektüre. Trotzdem wird den „Wachstumszwergen“ namens E-Book ein deutliches Wachstumspotenzial zugebilligt: „Wenn in den nächsten Jahren die Mehrheit der Bücher gleichzeitig als Print- und digitales Produkt auf den Markt kommt und sich preislich eine klare Tendenz abzeichnet, wird auch das Geschäft mit E-Books kräftig anziehen“, so Hans Huck, Sprecher des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren (AKEP) auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.

„Ob die Buchpreisbindung in der digitalen Welt bestehen bleibt, ist zweifelhaft“

Bisher ist das Bild eher uneinheitlich: laut Angaben des Börsenvereins erscheinen bisher noch 59 Prozent aller Titel erst nachträglich als E-Book. Zugleich ist die Preisgestaltung sehr unterschiedlich: 36 Prozent der Verlage bieten E-Books zum gleichen Preis an wie die jeweiligen Print-Produkte, 24 Prozent verringern den E-Book-Preis um 20 Prozent im Vergleich zum Print-Produkt. Weitere 19 Prozent der befragten Verlage drücken bereits jetzt die Preise noch etwas weiter. Die Position des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ist eindeutig: erst im Herbst 2008 hatte man die Buchpreisbindung auch für E-Books bekräftigt. Rückendeckung gab es dafür zuletzt auch von der Politik: Bundeskanzlerein Merkel bekräftigte bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, an dieser Regelung solle festgehalten werden. Andere sehen das aufgrund eigener Erfahrungen offenbar anders: „Ob die (Buchpreisbindung) in der digitalen Welt bestehen bleibt, wage ich zu bezweifeln“, äußerte sich dazu etwa Stefan Michalk vom Bundesverband Musikindustrie.

Bild: Pixelio/Doatsch

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".