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New York Times nur noch als E-Paper & gegen Cash?

15 Feb 2009

new-york-times-nur-noch-als-e-paper-und-gegen-cash-150x150Weniger Anzeigenerlöse, weniger Abonennten, kaum noch Kredit: Die macht sogar in Deutschland mal wieder Schlagzeilen, denn sie gerät finanziell immer stärker in Schlagseite. Möglich erscheint jetzt sogar das Ende der Print-Ausgabe, also die Beschränkung auf eine kostenpflichtige Online-Version und eine -Edition für den .
Schon seit dem Herbst 2008 machen auch andere Lösungsvorschläge für die NYT die Runde, darunter der Verkauf von Immobilien, der Schließung von Regionalzeitungen, scharfe Schnitte ins Personalportfolio.

Das Problem der Zeitungen ist nicht der Börsencrash, sondern ein Medienwechsel


Doch die Krise scheint im Kern auch ein Problem des Medienwechsels zu sein. Die Anzeigenerlöse im Printbereich verlagern sich immer stärker in den Online-Sektor. Gleichzeitig steigen die Kosten für Druck und Vertrieb der Papier-Ausgabe. Erst vor kurzem machte der Silicon Alley Insider, das inoffizielle Sprachrohr der Dot-Com-Industrie in Manhattan, eine in jeglichem Sinn “grobe” Rechnung auf: der Verbleib in der Gutenberg-Galaxis ist dermaßen teuer, dass man locker auf’s umsteigen und gleichzeitig allen langfristigen Abonennten (bei der größten Zeitung der Welt sind das noch immer über 800.000!) einen Amazon schenken könnte. In Zahlen ausgedrückt: ohne die Kosten für die Journalisten&Redakteure im Newsroom braucht die NYT dem SAI zufolge etwas über 600 Millionen Dollar pro Jahr für die konventionelle Herstellung. Das -Geschenk würde nicht mal die Hälfte davon kosten.

“Sollte die NYT alle Leser zwingen, auf den umzusteigen?”


Dann bekam man aber Angst vor der eigenen Courage. Denn auf die selbst gestellte Frage: “Wollen wir damit etwa sagen, alle Zeitungsleser sollen zwangsweise auf den E-Book-Reader” umsteigen? antworten die Insider der Silicon Alley: “Nein, natürlich nicht!” Man wollte nur mal festgestellt haben, dass “Newsprint”, also der konventionelle Zeitungsdruck nicht einfach nur teuer und ineffizient sei, nein, man könnte über diese altertümliche Publikationsform eigentlich nur noch lachen (”newsprint isn’t just expensive and inefficient; it’s laughably so”).

“Feuert 40 Prozent eurer Journalisten, feuert noch mal 40 Prozent, dann engagiert eine Handvoll davon für die Online-Ausgabe”


Zu den schmerzhaften Ratschlägen, die man bei Silicon Alley Insider der “Grauen Lady” NYT schon in 2008 gemacht hatte, gehörte allerdings eine konsequente Politik der “Print-to-Online-Transition”.In diesem Rahmen könne es notwendig werden, nicht nur den größten Teil des Unterbaus der Zeitung abzuwickeln, sondern auch 40 bis 80 Prozent des Newsrooms zu feuern. Einen Teil der Journalisten und Redakteure, zumindest die allerbesten, solle man danach für die Online-Edition wieder einstellen. Einen Haken hat der gutgemeinte Ratschlag natürlich: auch Werbeeinahmen der Online-Ausgabe wachsen nicht mehr in den Himmel, für 2009 wird sogar hier ein Minus wahrscheinlicher.

, online, nur gegen Cash: Ist das die Zukunft für die ?


Bisher hat sich die NYT nicht nur beständig geweigert, Einschnitte bei der Qualität zu machen. Man hat auch darauf verzichtet, die Internet-Ausgabe zumindest in Teilen gebührenpflichtig zu machen. Nur die -Leser müssen blechen. Anders verfährt die Konkurrenz von der Washington Post: hier muss man für den Content zahlen, doch die Zahl der Online-LeserInnen ist gleich geblieben. Das könnte die NYT ermutigen, demnächst einen ähnlichen Schritt zu wagen. Der Weg in die komplette “kreative Zerstörung” der Zeitung bleibt dann ja immer noch offen.Die Kollegen von der Dot-Com-Industrie warten sowieso schon darauf: “Sit back and watch the Digital stock fly.” Fly, or crash…