Home » E-Newspaper

New York Times so digital wie nie: E-Paper überholt Print-Ausgabe

6 Mai 2012

Die New York Times betritt publizistisches Neuland – in den letzten sechs Monaten überstieg die Zahl der digitalen Abonnements erstmals die Print-Auflage. Dem „Audit Bureau of Circulations“ (ABC) zufolge lag zwischen Oktober 2011 und März 2012 die Zahl der verkauften E-Paper-Versionen wochentags bei 807.000, die durchschnittliche gedruckte Auflage erreichte dagegen lediglich 780.000 Exemplare. Dabei zählte die ABC sämtliche Digi-Abos zusammen, vom PDF über die Kindle-Version bis zur NYT-App auf Tablet oder Smartphone. Mit eingerechnet wurden zudem alle Abonnenten der Print-Ausgabe, die parallel die für sie kostenlose elektronische Ausgabe nutzen.

Paywall sorgt für Abo-Boom

Hintergrund dieser Entwicklung ist die forcierte Print-to-Online-Strategie des finanziell klammen Blattes. Seit letztem Jahr wurden regelmäßige Leser der NYT-Website spätestens nach zwanzig Seitenaufrufen pro Monat zur Kasse gebeten, im März 2012 senkte die „graue Lady“ die Bezahlschwelle auf nur noch zehn Seitenaufrufe. Das „metered access“-Modell stieß auf harsche Kritik der Web-Community, zahlte sich aber für den Verlag aber offenbar aus. Mehr als 450.000 elektronische Abos wurden inzwischen verkauft: „Fast eine halbe Million Internetnutzer zahlen, um Zugang zur digitalen Ausgabe der New York Times und der International Herald Tribune zu erhalten“, freute sich zuletzt NYT-Chef Arthur Sulzberger. Allerdings dürfte es nach dem anfänglichen Boom nun schwieriger werden, die Zahl der Digi-Abos noch weiter zu erhöhen – der Zuwachs hat sich seit Ende 2011 deutlich verlangsamt.

„NYT wird zur globalen Medien-Marke“

Der finanzielle Effekt hält sich zudem in Grenzen: „Das digitale Abonnement bringt der NYT-Verlagsgruppe ungefähr 100 Millionen Dollar pro Jahr ein. Ein gutes Ergebnis, aber nicht genug, um die NYT zu retten“, so etwa Ken Doctor (Newsonomics.com) gegenüber LeMonde. Denn die Anzeigenerlöse der gedruckten Ausgabe befinden sich weiter im freien Fall, und erstmals sanken auch die Online-Werbeeinnahmen. Für Ken Doctor gibt es aber keine Alternative zum eingeschlagenen Weg: „Die NYT ist keine New Yorker Tageszeitung mehr, sondern eine globale Medien-Marke, die weltweit vor allem digital konsumiert wird, auf dem PC-Bildschirm ebenso wie auf dem Tablet. Die Hauptkonkurrenten heißen jetzt CNN, BBC oder NewsCorp.“ Die große Frage bleibt natürlich, wie sich diese Entwicklung in Gewinne verwandeln lässt.

Abb.: flickr/Dom Dada