New Deal im großen Stil: Amazon & HarperCollins einigen sich

HarperCollins-dealt-mit-AmazonEs geht offenbar auch ohne großes Getöse: Amazon und der US-Verlag Harper Collins haben sich auf neue mehrjährige Lieferbedingungen für Print-Titel und E-Books geeinigt. Dabei geht es um ein Milliardengeschäft, im letzten Jahr verzeichnete der zur News Corp gehörende Publisher einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Dollar, für 2020 werden sogar 2 Milliarden Dollar Umsatz prognostiziert.

Schon jetzt erwirtschaftet HarperCollins 20 Prozent des Geldes mit elektronischen Büchern. Da sind gute Beziehungen zum Branchenprimus bares Geld wert – droht nämlich wie im Streitfall Amazon versus Hachette erst einmal Auslistung und Liefersperre, sind zwei Drittel des potentiellen Buchmarktes futsch. Für wichtige Neuerscheinungen der Saison wie etwa Harper Lee’s „Go Set A Watchman“ wäre das natürlich fatal gewesen. Und irgendwie auch tragisch.

Die Fortsetzung von „To Kill A Mockingbird“ galt jahrzehntelang als verschollen, erst 2014 wurde sie wiederentdeckt, Buch-Launch soll in diesem Sommer sein. Der störungsfreie Absatz des Nachtigallen-Follow-Ups wäre wohl auch durch HarperCollins‘ aktive Kooperation mit der Flatrateplattform Oyster nicht zu garantieren. Oyster verkauft neuerdings E-Books en detail, die Teilnahme von HarperCollins an diesem neuen Direktvermarktungsmodell wurde vor einer Woche bekannt.

Bei der „vertrauensvollen“ Zusammenarbeit mit Amazon bleibt nun erstmal alles beim alten. HarperCollins legt im Rahmen des „Agency Model“ die Endpreise für Print- und E-Book-Titel selbst fest, Amazon kassiert pro verkauftem Titel 30 Prozent Marge, berichtet Forbes. Ein fast versöhnlich klingender Abschluss, von Fifty-Fifty ist wohl vorerst keine Rede mehr. Allerdings hat Amazon wohl auch (noch) kein nachhaltiges Interesse, die „Big Five“ des US-Verlagswesens gänzlich zu vergrätzen. Neben HarperCollins und Hachette werden auch Simon&Schuster, PenguinRandomhouse und Macmillan zu dieser Gruppe gezählt.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".