Home » Lesen & Schreiben

Neuland des Lächelns: Emojis erobern elektronische Texte

7 Mai 2015

emojiPunkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht – kleine elektronische Smileys gab’s schon lange, doch in den letzten Jahren hat das Web eine wahre Flut von neuen Bildsymbolen erlebt: die grinsenden, schmunzelnden oder weinenden Emoticons sind längst zu polyglotten „Emojis“ mutiert. Diese digitalen Hieroglyphen bilden nicht nur Gefühlszustände ab, sondern auch Tiere, Pflanzen, Autos, Flugzeuge und überhaupt konkrete Dinge alle Art.

Emoji-Keyboards für iOs & Android als Auslöser

Zur Viralisierung haben in letzter Zeit spezielle Emoji-Keyboard-Apps für iOS- und Android-Geräte beigetragen – mit ihnen lassen sich zahlreiche Ideogramme komfortabel nutzen, von denen mittlerweile mehr als 200 im Unicode-Zeichensatz enthalten sind. Auch die aktuelle Version von WordPress kann solche Emojis darstellen. Die Folgen dieser ikonischen Kulturevolution zeigen sich z.B. auf einer populären Plattform wie Instagramm: dort enthalten schon 50 Prozent der Kommentare und Bildbeschreibungen Emojis. Das berichtet Software-Entwickler Thomas Dimson auf dem Instagram-Blog.

„Entstehung einer neuen Sprache“

„Es ist ein seltenes Privileg, der Entstehung einer neuen Sprache beizuwohnen“, so Dimson über die Emojisierung des Social Webs – die er auch mit weiteren Zahlen belegen kann. So ist der Grad der Emoji-Nutzung regional sehr unterschiedlich: während Finnen in zwei Drittel ihrer Texte die gefühligen Bildchen einbauen, geben sich nur ein Drittel der Kanadier diesem Trend hin. Zu den fünf wichtigsten Emoji-Nationen gehören neben Finnland auch Frankreich (50%) und Deutschland (47%). „Setzt sich dieser Trend fort, könnten in Zukunft fast alle Texte auf Instagramm Emojis enthalten“, prognostiziert Dimson.

Bald auch Emoji-Belletristik?

Am häufigsten verwendet werden drei Emojis: 😂, 😍 und ❤ – Dimson vergleicht ihren Einsatz mit klassischem Internet- und Chatslang à la „lololol“, „beautifullll“ oder “ xoxoxox“, der im Lauf der Emojisierung sichtlich zurückgegangen sei. Zukünftig könnte dadurch sogar eine Art Bilderschrift-Esperanto entstehen: „Emojis werden in allen Sprachen zu einer gültigen und nahezu universellen Methode, sich auszudrücken“, glaubt Dimson. Demnächst vielleicht auch in der (elektronischen) Literatur? Eine bunt bebilderte What’s-App-Chat-Novel in der Tradition des Brief-Romans könnte man sich ja jetzt schon sehr gut vorstellen…