Neues Urteil: Google darf weiter Bücher scannen – „Fair Use“

Schon seit zehn Jahren scannt Google komplette Bibliotheken ein, um die Bücher dann via Google Books online zugänglich zu machen – aktuell umfasst die Datenbank schon mehr als 30 Millionen Titel. Fast genau so lange wird mit Autoren und Verlagen darüber gestritten, ob das noch unter „Fair Use“ fällt oder nicht. Ein neues Urteil aus New York gibt Google nun grundsätzlich recht: so lange urheberrechtlich geschütztes Material nur häppchenweise im Browser erscheint (die berühmten „Snippets“), sei das mit dem Copyright-Gesetzen der USA konform, so der für den Bezirk Manhattan zuständige Richter Denny Chin.

Die aktuelle Entscheidung könnte ein Wendepunkt in einem Rechtstreit darstellen, der schon 2005 begann, als der US-Autorenverband Author’s Guild, der Verlegerverband AAP sowie große Verlage den Suchmaschinen-Riesen verklagten. Zwischenzeitlich gab es bereits einen provisorischen Vergleich, das „Google Book Settlement“, in dessen Folge Google schon mehr als 100 Millionen Dollar Tantiemen an Rechteinhaber zahlen musste. Für einzelne Titel wurde jedoch vergleichsweise wenig Geld gezahlt – die Summen bewegten sich im niedrigen zweistelligen Dollar-Bereich. 2011 wurde dieser Vergleich dann von den Gerichten wieder verworfen.

Wie die Geschichte endet, ist auch jetzt noch nicht ganz klar. Gegen das aktuelle Urteil zugunsten von Google will die Author’s Guild Berufung einlegen. Eine endgültige Niederlage vor Gericht könnte für Google teuer werden – da die Author’s Guild pro Titel eine Entschädigung von 750 Dollar verlangt, wird die mögliche Gesamtsumme auf bis zu 3 Milliarden Dollar geschätzt. Doch Bezirksrichter Denny Chin zufolge gibt es gar keinen Grund für eine Entschädigung – das Scan-Projekt würde den Buchverkauf nicht behindern, sondern eher fördern. Schließlich hauche man vergriffenen und vergessenen Titeln quasi neues Leben ein: „Meiner Ansicht nach hat Google Books einen deutlichen Nutzen für das Gemeinwesen.“

Abb.: Flickr/Jim Barter (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".