Home » E-Book-Handel

Neues Patent für gebrauchte digitale Güter: Verkauft Amazon bald E-Books aus zweiter Hand?

5 Feb 2013 0 Kommentare

Nach dem der Verleih von E-Books erfolgreich angeschoben wurde, plant Amazon offenbar schon die nächste Etappe in der digitalen Verwertungskette: den Verkauf von Second-Hand-E-Books. Ein deutlicher Hinweis darauf könnte ein jetzt erteiltes Patent für einen “elektronischen Marktplatz gebrauchter digitaler Objekte” sein. Im Abstract der Patentschrift geht es um eine ganze Reihe von Produkten, neben Audio, Video und Apps werden aber ausdrücklich auch E-Books genannt. Beschrieben wird in dem bereits im Jahr 2009 eingereichten Patent nicht nur der Verkauf oder Verleih gebrauchter digitaler Güter, sondern auch die Möglichkeit, eine Weitergabe zu limitieren:

“Eine Objekt-Bewegungs-Schwelle (Object Move Threshold, OMT) kann gesetzt werden. Die OMT verhindert ggf. den Transfer eines gebrauchten digitalen Objekts zu anderen personalisierten Datensammlung, wenn das Objekt öfter übertragen wurde, als das gesetzte Limit es zulässt. Dadurch soll die Verknappung digitaler Objekte im Marktplatz erhalten bleiben. Ein populärer Songtitel könnte etwa eine OMT von drei haben, so dass nur drei Transfers zu anderen personalisierten Datensammlungen erlaubt wären. Wurde die gesetzte Schwelle erreicht, kann das digitale Objekt ohne Erlaubnis nicht mehr einer anderen Person zugeordnet werden.”

Eine solche Limitierung existiert bereits bei Amazons Kindle-Book-Lending-Feature – ausgewählte E-Books können die Nutzer genau ein Mal an Freunde oder Bekannte verleihen, wenn der Rechteinhaber diese Funktion für den betreffenden Titel freigegeben hat. Nun geht es aber offenbar darum, wie oft ein Kindle-Book innerhalb des Amazon-Universums von Kunde zu Kunde weiterverkauft werden darf. Dabei könnte in Zukunft auch eine Rolle spielen, ob man Premium-Kunde ist – den Patentunterlagen zufolge könnten Amazon Prime-Mitglieder einen Titel untereinander öfter weiterverkaufen als normale Kunden.

Ob E-Books überhaupt weiterverkauft werden dürfen, hängt natürlich auch von der Wirksamkeit der sogenannten “First Sale”-Doktrin ab – in Deutschland auch “Erschöpfungstatbestand” genannt: E-Books wären in diesem Fall Büchern und auch anderen physischen Produkten gleichgestellt. Einmal gekauft, darf man mit ihnen machen, was man will – inklusive Weiterverkauf. Bisher schließt Amazon selbst diese Möglichkeit in den Lizenzvereinbarungen aus (“you may not sell, rent, lease, distribute, broadcast, sublicense, or otherwise assign any rights to the Digital Content or any portion of it to any third party”) – ein vielbeachtetes Urteil des Europäischen Gerichtshof weist jedoch mittlerweile in eine andere Richtung. In der Causa Oracle gegen UsedSoft wurde nämlich entschieden: Gebrauchte Software darf grundsätzlich weiterverkauft werden, selbst dann, wenn sie im Internet heruntergeladen wurde.

(via Digital Reader & Geek Wire)

Abb.: nodoca/Flickr (cc)

Comments are closed.