Elektrophoretisches Color-Display von E-Ink Inc.: Neue Chance für Farbe auf dem E-Reader?

AcEP-Display-farbiges-EinkHohe Auflösung, hoher Kontrast, ja sogar Biegsamkeit: elektronisches Papier ist in vielerlei Hinsicht schon verdammt nah dran am echten Papier. Statt Farbe gibt’s allerdings bisher auf den Displays von Kindle bis Kobo nur Grauschattierungen. Denn bisherige Versuche, z.B. über zusätzliche Filter optische Farbeffekte zu erreichen, konnte bisher niemanden so richtig überzeugen. Doch nun hat der taiwanesische Marktführer E-Ink Holdings eine grundlegend neue Farb-Technologie angekündigt: das „Advanced Color ePaper“ (ACeP) basiert auf einem elektrophoretischem Display, bei dem Pigmente in acht verschiedenen Grundfarben in Mikrokapseln eingeschlossen werden. Die Farbdarstellung findet somit auf Pixel-Ebene statt, bei einer Auflösung von bis zu 150 ppi.

Der „verwaschene“, kontrastarme Farbeindruck bisheriger Versuche, Color- E-Ink-Displays herzustellen, kann auf diesem Weg vermieden werden, zugleich bleiben die Vorteile reflexiver Displays — insbesondere der niedrige Stromverbrauch — erhalten. Als Prototypen wurden 20-Zoll-Displays mit ACeP-Technologie in einer Auflösung von 1600×2500 Pixeln produziert, die in dieser Woche erstmals in der Öffentlichkeit vorgeführt werden sollen.

Bis brillantes Farb-E-Ink wirklich den Massenmarkt erreicht, dürfte aber noch etwas Zeit vergehen: „We expect ACeP to become the basis upon which another generation of EPD display products can be developed“, heißt es in der Pressemitteilung von E-Ink Holdings. Das heißt: es geht um die nächste Generation der elektrophoretischen Displays. Die könnte dann aber theoretisch auch in E-Readern, oder natürlich in Tablets — und damit die Unterschiede zwischen beiden Geräteklassen weiter einebnen.

Auf jeden Fall könnte die Ankündigung von E-Ink nun Amazon unter Zugzwang stellen — das Unternehmen hatte ja mit Liquavista im Jahr 2013 einen Display-Hersteller übernommen, der an stromsparenden Farb-Displays auf Electrowetting-Basis arbeitet. Schon im Vorfeld des neuen Kindle Oasis war spekuliert worden, ob das Gerät ein Color-Display haben würde. Daraus wurde bekanntlich nichts — doch nun könnte die Konkurrenz natürlich bei den nächsten Geräte-Generationen auf AcEP setzen, und den technologischen Rückstand zu Amazon wettmachen.

(via Teleread & Gizmodo)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".