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Langer Marsch durch die Karteikästen: Webcomic, E-Book & E-Reader auf dem Weg ins Wörterbuch

20 Apr 2010 0 Kommentare

E-Book Webcomic E-Reader auf dem Weg ins Woerterbuch.gifDer Webcomic hat den lexikographischen Adelsschlag erhalten – bald könnte das Wort im Merriam-Webster aufgenommen werden. Zumindest ist der Comic aus dem Web in den Top Ten der Leservorschläge für neue Worte auf Platz Drei vorgerückt, gleich neben Neologismen wie „cereal dust“ (was in der Cornflakes-Packung übrigbleibt) und „combat parking“ (der Name spricht für sich selbst). Das E-Book hat den Sprung ins Merriam Webster schon vor zwanzig Jahren geschafft. Mittlerweile steht es sogar im Duden – leider mit falscher Erklärung.

Das E-Book schaffte es schon 1988 ins Merriam Webster – der E-Comic muss noch warten

Das elektronische Lesen erzeugt fast genauso viele neue Worte, wie Geräte und Gadgets vom Band laufen: E-Ink, Page Refresh, Tablet, iBooks, DRM – all das klingt jedoch stark nach Fachchinesisch. Dagegen ist der Webcomic deutlich von Vorteil – man kann den Sinn des Wortes ganz gut erkennen. Somit kann auch die Beschreibung in den Top Ten der User-Vorschläge bei Merriam Webster ganz einfach ausfallen: „a comic published primarily on the Internet“. Der Begriff „E-Comic“ als allgemeiner Ausdruck für einen digitalisierten Comic findet sich bisher noch nicht im altehrwürdigen Merriam-Webster, der erstmals im Jahr 1828 gedruckt wurde. Das E-Book hat es allerdings schon zwischen die Buchdeckel geschafft – seit 1988 firmiert es im Wörterbuch als „a book composed in or converted to digital format for display on a computer screen or handheld device“. Dem ist es wohl zu verdanken, dass auch die Online-Version von Pons Englisch-Deutsch das E-Book bereits als „digitalisiertes Buch“ kennt. Bei Langenscheidt dagegen steckt das elektronische Lesen offenbar noch im Karteikasten der Wörterbuchredaktion fest. Offenbar entwickeln sich mediale Formate schneller, als die Rechtschreib-Polizei erlaubt. Oder ist Deutschland einfach nur besonders langsam?

Für den Duden ist das E-Book ein „tragbares digitales Lesegerät“

Manchmal ist allerdings ein bisschen Wartezeit sogar die bessere Lösung. Der Duden-Verlag setzt nämlich schon seit Jahren auf das falsche Pferd. Ein E-Book wird dort wie folgt erklärt:

tragbares digitales Lesegerät im Buchformat, in das über ein integriertes Modem oder per Computer Texte (Bücher, Magazine usw.) aus dem Internet übernommen werden können (vgl. downloaden

Eine sehr gute Umschreibung für elektronische Lesegeräte – aber für ein E-Book!? Auch wenn vor einigen Jahren das Wort „E-Reader“ noch ungebräuchlich gewesen sein dürfte, hinkt die Duden-Definition dem aktuellen Sprachgebrauch auch in der 25. Auflage (2009) noch stark hinterher. Wenn sie überhaupt jemals richtig war – schließlich ist die Trennung von Hardware und Software ja schon spätestens seit den 1940er Jahren eine Grundbedingung der Datenverarbeitung. Tatsächliche Belege für den mißverständlichen Gebrauch des Wortes E-Book findet man mittlerweile nur noch im kulturkonservativen Feuilleton – also dort, wo bildungsbürgerlicher Dünkel gegenüber dem drahtlosen Zeitalter und fehlende Medienkompetenz Hand in Hand gehen. Besser gelöst scheint das Problem beim Begriff E-Mail – hier werden im Duden zwei Bedeutungen angegeben – einmal generell der „elektronische Daten- u. Nachrichtenaustausch über Computer“, und dann im engeren Sinn die „über E-Mail“ verschickte Nachricht selbst.

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