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Neue Studie zum Leseland Deutschland: Generation U40 schätzt E-Books und E-Comics

7 Jul 2009

Ist Deutschland eigentlich noch ein Leseland? Haben Fernsehen und Internet dem Buch endgültig den Rang abgelaufen? Oder wechseln moderne Leseratten vielleicht einfach vom Buch zum E-Book? Der Börsenverein des deutschen Buchhandels wollte es genau wissen. Er beauftragte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit einer Nutzer-Studie (Titel: Das Buch im Medienportfolio). Ergebnis: die meiste Zeit wird immer noch vor dem Fernsehen verbracht, knapp gefolgt vom Internet. Doch dann kommt das Buch: durchschnittlich eine halbe Stunde täglich wird zwischen Flensburg und Berchtesgarden tatsächlich im klassischen Sinn gelesen. Doch was haben die Deutschen dabei in der Hand: konventionelle Bücher oder E-Book-Reader?

Viele Leser schätzen E-Books vor allem als Informationsmedium

Das klassische Buch ist aus Papier. E-Books leiden dagegen offenbar noch unter Akzeptanzproblemen: Rund ein Drittel der Deutschen kann sich laut GfK-Studie vorstellen, die Lektüre auch auf E-Books auszudehnen. Allerdings wird das E-Book dabei vor allem als Informationsmedium betrachtet. Ein Grund dafür dürfte darin liegen, dass aktuelle E-Book-Belletristik erst seit kurzem im großen Maßstab in den Vertrieb gelangt ist. Am aufgeschlossensten gegenüber der elektronischen Lektüre ist wohl nicht ganz zufällig eine ganz bestimmte Mediennutzer-Gruppe: die „E-Book interessierten Internet-Freaks“. Zu ihnen zählen die Autoren der Studie 14,7 Prozent der Befragten. Die Freaks sind jünger als 50 Jahre und verbringen häufig mehr als fünf Stunden täglich im Internet. 69 Prozent von ihnen können auf das Internet nicht mehr verzichten. Sie lesen durchschnittlich neun Bücher im Jahr, dabei sind sie vor allem an Informationen interessiert. Für sie geht Inhalt vor Format, daher können sich 56 Prozent gut vorstellen, E-Books zu lesen, wenn sie sich informieren wollen.

Fantasy-begeisterte Online-Leser interessieren sich nicht nur für E-Books, sondern auch für E-Comics

Offen für moderne Medien zeigen sich aber auch die „fantasy-begeisterten Online-Leser“. Zu dieser Gruppe zählt die Studie vor allem Männer unter 40 Jahren, die sich besonders für die Genres Comics bzw. Mangas, Fiction und Fantasy interessieren. Gedruckte Bücher empfinden sie jedoch häufig als unpraktisch. Sie lesen gern online, mögen Hörbücher genauso wie E-Comics und E-Books. Wenn’s um Gefühle geht, oder um Seriosität, haben dagegen weiterhin Papiermedien die Nase vorn: sowohl die Gruppe der „unterhaltungsorientierten Leseratten“ wie auch die „konservativen Zeitungsleser“ tun sich schwer mit digitalen Medien. Gleiches gilt für die „regelmäßigen Radiohörer“. Eins haben sie natürlich alle zuvor genannten Gruppen gemeinsam, ob freakig oder konservativ: sie lesen. Insofern ist Deutschland medial eine Zweidrittel-Gesellschaft. Denn das letzte Drittel der Bevölkerung ist aus dem Leseland Deutschland emigriert: die „entspannungsuchenden Vielseher“ und „leseaversen Fernsehfans“ finden Buchstaben zu anstrengend, für sie stehen Film, Fernsehen und Video im Vordergrund.