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Neue Studie: Verzicht auf DRM fördert Backlist-Umsatz um 30%

9 Dez 2013 Ansgar Warner 4 Kommentare

Tim O’Reilly hat’s ja schon immer gewusst: “Obscurity is a far greater threat than piracy”, formulierte im Jahr 2005 der Gründer von O’Reilly Media sein Unverständnis gegenüber DRM. Seinem eigenen Verlag brachte der Verzicht auf Kopierschutz dann sogar dreistellige Wachstumsraten im E-Book-Bereich. Skeptikern fiel dazu vor allem ein, solche Ergebnisse würden sich aber nicht auf eine gesamte Branche übertragen lassen. Eine aktuelle Studie scheint nun O’Reillys These zu bestätigen: Laurina Zhang (Universität Toronto) hat darin den Zusammenhang von Strategien zum Umgang mit geistigen Eigentum und dem Long Tail in der Musikindustrie untersucht. Die Musikindustrie selbst hat letztlich diese Studie ermöglicht, denn die Major Labels verzichteten zwischen 2007 und 2009 eins nach dem anderen auf Digital Rights Management (EMI zuerst, dann folgten Sony, Universal & Warner).

Es gibt also eine klare Trennung zwischen vorher & nachher. Das interessante Ergebnis: rechnet man andere Effekte heraus, stiegt in der Post-DRM-Ära der Umsatz mit digitaler Musik generell um 10 Prozent. Bei Backlist-Titeln stieg der Umsatz dagegen sogar um 30 Prozent, während sich bei Topsellern keine Auswirkungen feststellen ließen. Die Erklärung für diesen Effekt ist einfach: wenn Musik problemlos zwischen Nutzern weitergeben werden kann, steigt die “Discoverability” von einzelnen Alben wie auch von kompletten Diskographien eines Interpreten. EMI war wohl genau aus diesem Grund auch der First Mover – denn im Unterschied zu den anderen Labels ist bei EMI der Anteil an Long-Tail-Alben besonders groß, der Anteil an Topsellern besonders klein.

Die Studie dürfte gerade auch für die Buchbranche lehrreich sein, wird hier doch bisher im Zusammenhang mit Piraterie & DRM vor allem die “Ersatzrate” diskutiert, also potentielle Verluste, die dadurch entstehen sollen, dass Kunden auf den Kauf einzelner E-Books verzichten, weil sie auf diversen Plattformen auch gratis zu haben sind. Was dabei gerne vergessen wird: Zugleich gibt es auch eine “Zusatzrate”, also zusätzliche E-Book-Käufe, die durch das Entdecken neuer Titel und neuer Autoren via Filesharing generiert werden. E-Book-Piraterie könnte also letzlich eher dazu führen, Umsatzverluste aufzufangen, die durch DRM und damit die verminderte Discoverability von Backlist-Titeln entstehen.

Mit anderen Worten: wenn es die Piraten nicht gäbe, müsste der Buchhandel sie erfinden…

(via Torrentfreak)

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