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“Neue Gründerzeit im Publishing”: Buchmesse-Chef Boos sieht Branche im Startup-Fieber

12 Sep 2013 0 Kommentare

Kriegt die Buchbranche gerade die Krise – siehe Weltbild, Thalia & Co. – oder kriegt sie gerade noch die Kurve in Richtung Zukunft? Juergen Boos, Chef der Frankfurter Buchmesse, rief auf der traditionellen Vorschau-Pressekonferenz eine “neue Gründerzeit im internationalen Publishing” aus. Und wollte als Beleg dafür nicht nur die Gran Tolino-Allianz von Weltbild, Thalia & Co. sehen, sondern vor allem das aktuell in Deutschland grassierende Startup-Fieber fernab der großen Unternehmen. Manche werden tatsächlich zwischen dem 9. und 13. Oktober in Frankfurt offiziell gelauncht – so etwa die magazinartige Vorschau-App Flipintu, mit der die “Discoverability” elektronischer Lektüre verbessert werden soll, oder etwa sobooks, die mit Spannung erwartete Social-Reading-Plattform von Sascha Lobo.

„Die Trennungslinie verläuft nicht mehr zwischen alt und neu, Print und E-Book, analog und digital, sondern zwischen denen, die Leidenschaft für Inhalte haben und Zugang zu ihnen schaffen wollen – und jenen, denen es egal ist, was sie verkaufen“, formulierte Boos das neue Credo der Gutenberg-Galaxis. Und tatsächlich war die Liste der interessanten Branchen-Newcomer mit ausgeprägter Leidenschaft für Bücher UND innovative technische Lösungen wohl noch nie so lang. Das zeigen clevere Online-Projekte à la Dotdotdot, Ocelot, Readmill, Shelff & Co., oder neugegründete “kleine, geile Verlage” à la Mikrotext, Metrolit oder Das Beben. Und damit ist gerade mal der aktuelle Berliner Book-Boom umrissen.

Noch mehr Namedropping gefällig? Die Frankfurter Buchmesse hat eine 20-seitige Liste “Best of publishing startups” zusammengestellt, deren Kategorien von Social-Reading, Self-Publishing und Crowdfunding bis zu Multimedia Books & Media Convergence reicht (die Liste ist Work in progress, weitere Vorschläge sind willkommen!). Eine schöne Definition des Startups wird dabei gleich mitgeliefert: abgesehen von der Suche nach einem skalierbaren Business-Modell gehe es darum, die Zukunft nicht vorherzusagen, sondern zu erfinden. Auf dem gerade gestarteten Buchmesse-Blog “START-UPS & ihre Digitale Heimat” werden in den nächsten Wochen viele solcher Zukunfts-Erfinder in Sachen Buch vorgestellt.

Die Frankfurter haben zudem das Veranstaltungsprogramm stärker auf Startups zugeschnitten – im Vorfeld der 2013 erstmals stattfindenden “CONTEC”-Konferenz gibt’s sogar ein “Start-up Elevator Pitch” – Nachwuchs-Entrepreneure können noch bis 15. September auf der Videoplattform Ziggeo ihre Business-Idee “pitchen”. Die drei innovativsten Projekte werden nach Frankfurt eingeladen. Fortgeführt werden über die Messehallen verstreute thematische “Hot Spots” wie “Digital Innovation”, “Mobile”, oder “Kids & eReading”, dazu kommt eine eigene “Self-Publishing Area”. Und natürlich wird mal wieder der Virenschleuder-Preis für innovatives Social Media Marketing verliehen – unter den Nominierten sind Startups wie AmyPink, epubli, Quindie und das “Glücksbüro”.

Abb.: Marc Jacquemin/Frankfurter Buchmesse (c)

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