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Mosaic, oder: die Geburt von Klicki-Bunti — vor 25 Jahren startete der erste echte Web-Browser

27 Apr 2018

mosaic-browser-1993Ach ja, was waren das für Zeiten Mitte der 1990er Jahre: die Webseiten grau, die Links blau, und mitten im Text ein paar bunte Bildchen im Gif-Format. Der Browser hieß irgendetwas mit „Mosaik“, der Computer war ein 386er mit voluminösem Monitor, und ratterte hinter Jalousien im Rechenzentrum“ des Informatik-Fachbereichs meiner Uni, damals war das die FU Berlin. Ins Internet gehen, das hieß eigentlich: zum Internet gehen, denn zu Hause in Ostberlin gab’s ja teilweise noch nicht mal Telefon. Und trotzdem war es eine echte Revolution — denn der neue Browser machte das ominöse „Netz“ plötzlich attraktiv für Nicht-Informatiker, ich studierte damals zum Beispiel Germanistik & Geschichte.

Hier Link-Katalog, dort Zettelkasten

In Link-Katalogen wie LEO („Link everything online“) recherchierte man nach interessanten Webseiten, und landete am Ende der Reise nach vielen Zwischenstationen auch schon mal auf der Homepage einer australischen Hochschule, nur um den Mensa-Speiseplan zu studieren. Einfach weil man es konnte. Okay, vieles andere ging auch noch nicht. Waren handfeste Informationen gefragt, radelte ich damals natürlich rüber zur Uni-Bibliothek, und studierte den Zettelkatalog aus Papier oder Mikrofiche-Karteikarten.

Aus Mosaic wurde am Ende Firefox

Das alles muss jetzt schon ungefähr 25 Jahre her sein, denn genauso alt wurde in diesen Tagen NCSA Mosaic 1.0, der erste „echte“ Webbrowser entwickelt, und zwar am „National Center for Supercomputing Applications“ der Universität Illinois unter der Ägide von Marc Andreessen und Eric Bina. Andreessen ist vielen immer noch ein Begriff als „Erfinder“ von Netscape, aus dem dann schließlich Firefox wurde. Am Anfang dieser Ahnenreihe steht aber eben Mosaic – der Name sollte übrigens symbolisieren, dass die anfangs nur auf Unix-Systemen laufende Software diverse Internet-Protokolle beherrschte.

Berners-Lee, Andreessen, Gore, diese drei…

So gesehen gibt es also mindestens zwei „Erfinder“ des World Wide Web, einmal Tim Bernes-Lee, der am Genfer CERN die hypertext-basierte Grundstruktur entwickelte, und eben Marc Andreessen, dessen Mosaic-Browser das Netz erstmals für eine Vielzahl von Menschen sichtbar und einfach benutzbar machte. Und, ja, vielleicht sollte man auch noch Al Gore nennen. Der hat das Internet zwar nun wirklich nicht erfunden, aber mit seinem „Information Superhighway“-Gesetzesprojekt von 1991 (auch „Gore Bill“ genannt) nicht nur für die technische Infrastruktur des WWW gesorgt, sondern auch die Entwicklung von Software finanziert, prominentestes Subventions-Beispiel: Mosaic.