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Mobil lesen, mobil fernsehen: Microsoft-Studie zur „Generation Digital“

Das Internet und mobile Geräte krempeln nicht nur die Gutenberg-Galaxis kräftig um: „Wenn das bisherige Wachstum anhält, wird das Internet im Jahr 2010 zum ersten Mal das Fernsehen als am meisten konsumiertes Medium überholen.“ Diese Prognose macht die aktuelle Microsoft-Studie Europe logs on. Surften im Jahr 2008 die Europäer noch knapp neun Stunden pro Woche, so könnten es im nächsten Jahr schon bis zu 14 Stunden sein. Die gute alte Glotze erreicht dagegen nur noch 11,5 Stunden. Besonders stark zugenommen hat der Konsum von Online-Video. Jeder vierte Europäer ist regelmäßig zu Gast bei Youtube & Co. Genauso setzen aber auch Social Networking-Anwendungen oder Shopping-Seiten der alten Flimmerkasten-Welt zu. Doch ausgerechnet die klassische PC-Umgebung auf dem Desktop wird davon nicht profitieren.

Die lachenden Dritten der Online-Revolution sind nicht PCs, sondern mobile Geräte

Die lachenden Dritten der rasanten Entwicklung sind Laptops, Mobiltelefone und E-Reader. Ob man surft, Videos schaut oder E-Books liest: all das wird sich in Zukunft zu 50% (gegenüber heute 95%) unterwegs auf mobilen Geräten abspielen.

„Der Wunsch, immer online zu sein, wird auch den Übergang vom PC in Richtung anderer Geräte antreiben, und als Folge davon zur Auflösung der Grenzen zwischen PC, Fernsehen und mobilen Anwendungen.“

Microsoft zufolge wird es also in Zukunft immer weniger eine Rolle spielen, mit welchem Gerät man digital vernetzt ist. Fernsehen auf dem Handy wird zum Normalfall werden, bis 2013 sollen drei Viertel aller Geräte online-TV- und videofähig sein.

WLAN und Internet-Fähigkeit spielt auch für E-Book-Reader eine wachsende Rolle

Tatsächlich bildet sich etwa im Bereich der E-Book-Reader ein neuer Standard heraus: WLAN-Fähigkeit wird immer wichtiger, mit manchen Geräten kann bereits jetzt auch im Internet gesurft werden, auch wenn die E-Ink-Technologie nur vergleichsweise langsame und auf Grautöne reduzierte Bildqualität liefert. Doch das dürfte sich in Zukunft ändern: Farbe und mehr Geschwindigkeit (etwa für Videos) wird den Unterschied zu anderen Endgeräten in einigen Jahren weiter schrumpfen lassen. Microsofts Prognose:

„Diese Geräte stecken zwar noch in ihren Kinderschuhen, werden aber in verbesserter Versionen ähnliche explosive Veränderungen in der Mediennutzung verursachen wie MP3 im Musikbereich.“

Allerdings wird es zugleich auch immer unwichtiger, mit welchem Gerät man hört oder liest: Das iPhone etwa spielt nicht nur MP3s ab, sondern hat sich dank E-Book-Apps wie Stanza in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten E-Reader gemausert.

Die Generation Online verändert die Spielregeln des Medien-Marktes radikal

Microsoft scheint sich sicher zu sein: Die Verhaltensmuster der „Generation Digital“ werden die Spielregeln des Marktes völlig verändern. Zu den Quoten-Verlierern gehören plötzlich alle „alten Medien“: der Fernseh-, Radio- und Zeitungskonsum stagniert oder sinkt langsam, selbst Zeitschriften oder DVDs verbuchen ein Minus. Wer auf Wachstum setzen will, muss ebenso im Internet wie auch auf mobilen Geräten präsent sein.

Warum Deutschland ein ganz besonderer Online-Markt ist

Deutschland spielt in der Unterwegs-&Online-Revolution mobiler Geräte übrigens eine ganz besondere Rolle. Einerseits gibt es hierzulande zahlenmäßig die größte „Online-Population“ in Europa (55 Millionen Menschen). Gleichzeitig hinkt der Anteil der Surfer an der Gesamtbevölkerung stark hinterher. Er liegt nämlich erst bei 67 Prozent, während die nordeuropäischen Länder bereits einen Durchschnitt von 76 Prozent erreicht haben. Der entscheidende Wachstumsschub im Online-Bereich könnte also aus einer unerwarteten Ecke kommen: iPhones und E-Reader mit drahtlosem Internet-Anschluss könnten dazu führen, dass die Nation von Laptop und Lederhose zu Nokia und Knäckebrot aufschließt.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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