Mit Warp Neun durch Gutenbergs Galaxis: Wie populäre Genres den E-Book-Boom befeuern

Der E-Book-Boom in den USA hat ohnehin schon ein atemberaubendes Tempo. Doch bei populären Genres wie etwa Science-Fiction, Mystery oder Fantasy geht es quasi mit Warp-Geschwindigkeit voran – sie sind digital weitaus erfolgreicher als klassische Belletristik. Die großen Verlage stellen sich darauf ein, so hat etwa Random House gerade neue Digital-Only-Reihen gestartet wie „Hydra“ (Sci-Fi/Fantasy), „Alibi“ (Mystery) oder „Loveswept“ & „Flirt“ (Herzschmerz), Harper Collins ist mit dem Mystery-Label „Witness“ dabei. Für die Autoren ein lohnendes Geschäft: Random House beispielsweise bietet attraktive Konditionen, entweder einen Vorschuss und 25 Prozent Tantiemen, oder eine 50-Prozent-Beteiligung am Umsatz.

Populäre Genres mit 70 Prozent Marktanteil

Aus klassischer Verlegerperspektive mag das nach blankem Wahnsinn klingen. Doch wie Random House Vizechefin Allison Dobson betont, steckt durchaus Methode dahinter: „Einige E-Book-Kategorien werden deutlich stärker nachgefragt als andere. Die populären Genres haben als erste die Leser zum Umsteigen auf digitale Formate motiviert, und die Quote der E-Leser ist hier weitaus höher.“ Bei manchen dieser Genres soll der E-Book-Anteil auf dem US-Buchmarkt inzwischen bei 60 bis 70 Prozent liegen.

Sci-Fi-Fans als Early Adopter

Gerade bei Sci-Fi scheint es dafür auch eine sehr nachvollziehbare Erklärung zu geben – wer sich mit technologischen Zukunfsvisionen beschäftigt, ist eben auch gegenüber dem elektronischen Lesen deutlich aufgeschlossener als andere. Zugleich sind diese Early Adopter aber besonders kritisch gegenüber Digital Rights Management (DRM), und sie nehmen auch kein Blatt vor den Mund – ein Grund, warum der auf Sci-Fi spezialisierte US-Verlag Tor bereits seit 2012 komplett auf Kopierschutz verzichtet. Vergleichbare Tendenzen sind auch in Deutschland zu beobachten, so bietet etwa Lübbe Digital einige Romane von Bestseller-Autor Andreas Eschbach („Exponentialdrift“, „Herr aller Dinge“, etc.) auch ohne DRM-Schutz an.

„Digital ersetzt Paperback“

Die „Genre Fiction“ profitiert natürlich auch vom Gesetz der Serie. Anhänger populärer Genres gehören zur Spezies der Vielleser, die einerseits auf den Preis schauen, andererseits zeitnah Nachschub brauchen – perfekte Vorassetzungen für drahtlose digitale Vertriebsmodelle. Das Nachsehen haben dabei natürlich die für den Massenmarkt produzierten Taschenbücher: „Digital ersetzt Paperback, auf jeden Fall die Paperback-Erstveröffentlichungen“, so etwa Harper Collins Vizechefin Liate Stehlik. „Wir haben es hier mit lesehungrigen Kunden zu tun, die genreübergreifend mehrere Bücher pro Monat verschlingen.“ Das haben auch deutsche Verlage gemerkt: bei Bastei Lübbe produzieren Autorenteams mittlerweile komplette Staffeln von digitalen Serien wie etwa den Vatikanthriller „Apocalypsis“ oder die Mystery-Serie „Survivor“.

Antwort auf Self-Publishing & Fan-Fiction?

Spätere Printversionen sind hier ebensowenig ausgeschlossen wie bei Random House oder Harper Collins – doch erstmal nutzt man die E-Book-Schiene, um mit neuen Themen, neuem Design und vor allem auch neuen Pricing-Modellen zu experimentieren. Ein Grund für den elektronischen Aktionismus ist dabei wohl auch die Furcht, den Anschluss zu verlieren: Denn gerade bei Sci-Fi, Thriller & Co. brodelt die Self-Publishing-Küche am stärksten. In Großbritannien, nach den USA der am weitesten fortgeschrittene Markt für E-Books, erreichen Indie-Autoren in diesen Sparten schon einen Umsatzanteil von 20 Prozent. Und wie man an Amazons neuer Fan-Fiction-Plattform Kindle Worlds sieht, motivieren populäre Genres sogar die Leser zum Schreiben.

(via Wired.com)

Abb.: Flickr/ x-ray delta one (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".