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[e-book-review] iPad als Slam-Pad: „Warum ich Angst vor Frauen habe“ (Mischa-Sarim Vérollet)

19 Jan 2011


Das Leben ist kein Ponyhof, es ist aber auch keine Waldorfschule – das weiß niemand besser als Mischa-Sarim Vérollet (MSV), seines Zeichens Slam-Poet & Romanautor. Wer die fulminanten Auftritte des Event-Literaten bisher verpasst hat, kann dies nun auf iPad oder iPhone nachholen – MSVs ersten Roman „Warum ich Angst vor Frauen habe“ gibt’s nämlich als multimedial aufgepepptes E-Book, inklusive Audiofiles, Videos und Fotos. Was man sonst noch über Autor & Werk wissen sollte, verrät im Folgenden Heide Reinhäckel.

Slam-Poetry als literarisches Sprungbrett

Mischa-Sarim Vérollet fällt auf. Der Dreiklang seines Namens, eine ungebremste Beatnik-Lockenfrisur und eine überdimensionale Vintage-Brille gehören zu den Markenzeichen des Berliner Poetry-Slammers. Vérollet, der 1981 auf Gibraltar als Sohn einer deutschen Mutter und eines englisch-französischen Vaters geboren wurde, zog im Kleinkindalter mit der Familie nach Bielefeld und wuchs dort auf. Mittlerweile ist er der Star unter den Slam-Poeten. Die 1986 in Chicago erfundenen Literatur-Events haben sich längst auch auf deutschen Bühnen etabliert. Das Publikum entscheidet, wer weiterkommt und zum „Dichterfürsten“ der etwas anderen Art gekrönt wird. Wichtig ist also nicht nur, wie man schreibt, sondern auch, wie man die Texte vor dem Mikro präsentiert.

“Das Leben ist keine Waldorfschule“

Seit 2009 kombiniert Vérollet die Slam-Performance auf der Lesebühne mit Formen traditioneller Autorenpräsenz. Im Publikumsverlag Carlsen erschien mit „Das Leben ist keine Waldorfschule“ eine Sammlung kurzer Poetry-Slam Texte. Das Buch wurde auf der Frankfurter Buchmesse zum „Kuriosesten Buchtitel“ des Jahres gekürt. 2010 kam dann mit „Warum ich Angst vor Frauen habe“ Vérollets erster Roman heraus. Er erzählt eine leicht autobiographisch eingefärbte Bielefelder Coming of Age -Geschichte in den 1990er Jahren. Der skurile, selbstironische und mit reichlich schwarzem Humor versehene Roman erzählt über pubertäres Erwachen in Schule und Sportunterricht („Der Krieg der Pheromone eskalierte, das Gemenge aus neonfarbigen, hautengen Leggings, Die-Ärzte-T-Sirts und frischem Mädchenschweiß verfehlte seine Wirkung nicht…“ ), von Mädchen, geplanten Mondreisen und Jungsfreundschaften sowie über die Geschmackssünden der 1990er Jahre. Das Episodenhafte, Überzogene und Skurile des Romans verweist immer wieder auf die Geburt von MSV’s Literatur aus dem Geist des Poetry-Slams.

Slam Poetry wird zum „enhanced E-Book“

Neben der Buchversion, die als Zugabe eine CD mit Bonusmatrial enthielt, ist „Warum ich Angst vor Frauen habe“ nun auch als enhanced E-Book erschienen. Die multimediale Romanversion, erhältlich für iPhone, iPad & iPod Touch kombiniert die Textfassung mit Audiofiles, Videos und Fotos, gestrichenen Szenen sowie einem alternativen Ende. Neben einem Werkstatt-Effekt oder dem DVD-Bonustrackgefühl garantiert so das Enhanced E-Book vor allem eines: Lesebühnenstimmung nach dem Motto „pimp up ur ebook“. Denn man kann das E-Book eben nicht nur lesen, man kann richtig was erleben. Etwa, wie gekonnt der Autor selbst seinen Text live vorträgt, die wilden Locken schüttelt und einfach komisch ist.

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Mischa-Sarim Vérollet, Warum ich Angst vor Frauen habe
iBooks (iPhone, iPod Touch, iPad), 12, 99 Euro
Roman (Print) plus CD, 14,99 Euro

Autorin & Copyright: Heide Reinhäckel