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Mikrotext goes Krautpublishing: 2015er Programm jetzt via Abo vorbestellbar

5 Jan 2015 5 Kommentare

Mikrotext trifft Startnext – Freunde neuer digitaler Literatur können auf der Crowdfunding-Plattform ab sofort das komplette Programm des Berliner E-Book-Labels für 2015 im Paket vorbestellen. Klingt ein bisschen nach Flatrate-Klimbim, ist aber deutlich exklusiver: Wer mindestens 15 Euro in den Topf wirft, erhält ein Jahr lang die aktuellen E-Books zum Erscheinungstermin direkt per E-Mail (pro Quartal erscheinen in der Regel ein bis zwei Titel). Man kann sich aber auch für das „Abo plus“ entscheiden, und dafür ausgesuchte Dankeschöns ergattern, von Chloe Zeegens unveröffentlichtem Manuskript „Conservative Alternative“ über Sarah Khans Frühwerk bis hin zum Wüstenralley-Daumenkino von Sebastian Christ.

10.000 Euro soll die Crowd zusammentragen

„Das mikrotext-Abo richtet sich an alle neugierigen, vorwärtsdenkenden Leserinnen und Leser, die daran glauben, dass Literatur und das Digitale ausgezeichnet zusammenpassen. Und dass das E-Book kein Hardcover-Doppelgänger sein muss“, schreibt Verlagsgründerin Nikola Richter auf der Kampagnen-Seite. Die Mindestschwelle für die Kampagne liegt bei recht realistischen 10.000 Euro: „Wir brauchen nur 400 Leute, die 25 Euro zahlen, dann sind wir am Ziel“, so Richter gegenüber E-Book-News. Tatsächlich haben in der Vergangenheit bereits Pre-Order-Kampagnen für einzelne Titel von Self-Publishern oder Indie-Verlagen auf Startnext deutlich mehr erreicht – etwa das „Drachenväter“-Buch von Tom Hillenbrand und Konrad Litschko oder der Facebook-Roman „Zwirbler“.

Abohonorare gehen direkt an AutorInnen

Auch bei Mikrotext profitieren an erster Stelle die Autoren selbst: „Alle Abohonorare werden an die Autoren des vierteljährlichen Hauptprogramms ausgeschüttet, so als wären sie klassische Verkaufshonorare“, so Nikola Richter. Der über die Dankeschöns hinaus erzielte Erlös wird in die allgemeine Verlagsarbeit gesteckt. Für diese Art des Verlags-Krautpublishings gibt es in Deutschland bereits Vorbilder: so kooperiert der Kladdebuch-Verlag seit 2014 mit der Crowdfunding-Plattform Visionbakery, hier wurden knapp 40.000 Euro gesammelt und ein halbes Dutzend Projekte realisiert. Gleich eine eigene Krautpublishing-Plattform betreibt mit „100fans.de“ die Münchner Verlagsgruppe.

„Abonnement spart Geld und Zeit“

Besonders spannend beim Ansatz von Mikrotext: viele E-Books des 2013 gegründeten Digital-Only-Verlags reflektieren ohnehin das Potential von Internet und neuen Medien ästhetisch und inhaltlich mit. In Zukunft wird dank Crowdfunding nun auch wirtschaftlich und marketing-technisch das Netz eine noch zentralere Rolle für die Mikrotexte spielen. Die Crowd dürfte dabei nicht nur rein mäzenatische Interessen antreiben. Nikola Richter betont schließlich: „Mit dem Abonnement spart man einige Euro gegenüber dem klassischen Kauf per Webshop und man spart Zeit: Anmeldung und Download per Webshop fallen weg, denn alle Titel landen codefrisch (druckfrisch können wir ja nicht sagen) im Mailpostfach“.

Abb.: Screenshot Mikrotext-Kampagne auf Startnext

5 Kommentare »

  • skreutzer schrieb:

    Die Autoren mögen profitieren und auch mikrotext mag profitieren; wer nicht profitiert, ist der Leser. Der bekommt nämlich, wie es aussieht, mit einem eingeschränkten, einfachen, restriktiven Nutzungsrecht praktisch nichts, obwohl er sämtliche Kosten des Projekts trägt und es überhaupt erst möglich gemacht hat. Leider ist das beim Crowdfunding/Crowdsourcing eine übliche Praxis, dass Firmen ihre Kosten externalisieren, die Gewinne jedoch selbst einstreichen. Hier interessieren die Gewinne ja nicht, die bis 70 Jahre nach Tod des Autors durch den anhaltenden regulären Verkauf der E-Books (ohne Crowdfunding-Abo, wo kollektiv die Kosten getragen wurden und man nur eine kleine Ersparnis davonträgt) erwirtschaftet werden, sondern die Rücksichtnahme auf digitale Grundrechte und die Frage, ob man sein Geld nicht weit besser in andere Projekte investieren könnte, von deren Ergebnissen man dann wenigstens etwas hat.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Hmmm, man bekommt via Mikrotext-Abo ab 15 Euro mindestens ein halbes Dutzend E-Books ohne DRM, mit denen man dann privat machen kann, was man will – was ist denn daran jetzt so schlecht!?

  • skreutzer schrieb:

    Dass man in genau gleicher Konstellation ein Projekt finanzieren könnte, mit dem man dann nicht nur privat, sondern uneingeschränkt damit machen könnte, was man möchte? Inklusive Print z.B., was mikrotext völlig unnötig kategorisch ausschließt? Auch steht vom Verzicht auf DRM nichts in der Projektbeschreibung.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Die Mikrotexte sind übrigens grundsätzlich DRM-frei, das gehört bei denen von Anfang an zum Prinzip, wie bei vielen anderen unabhängigen Digital-Verlagen ja auch…

  • skreutzer schrieb:

    Nikola Richter hat sich auf der Pinnwand des Crowdfundings (https://www.startnext.de/mikrotext2015/pinnwand/) dazu geäußert. Meine vorangehenden Kommentare können gelöscht oder beibehalten werden.