Microsoft macht mobil: Kommt 2012 ein E-Reader mit Windows 8 auf den Markt?

„Der beste E-Reader ist immer noch ein PC“, so Microsoft-Chef Steve Ballmer. Tatsächlich ließ das Unternehmen von mobilen Lesegeräten bisher die Finger. Das könnte sich jedoch bald ändern – denn mit Windows 8 startet im Herbst 2012 ein neues Betriebssystem, dessen grafische Benutzeroberfläche Metro speziell auf Touch-Screens von Mobilgeräten zugeschnitten wurde. Für Aufmerken unter Branchenkennern sorgte kürzlich ein Statement von Microsoft-Manager Kevin Turner auf der „Dynamics 2012“-Konferenz: “Microsoft wird noch in diesem Jahr mit Metro als erstes Unternehmen weltweit ein User-Interface anbieten, das nahtlos vom Smartphone über Tablet und E-Reader bis zur Rich-Client-Plattform und zum TV reicht“.

“Our Future is a Unified Ecosystem“

Bisher gab es eher Impulse in eine ganz andere Richtung – E-Reader-Spezialisten verließen das Unternehmen, 2011 wurde zudem die Weiterentwicklung der hauseigenen E-Reader-App „Microsoft Reader“ eingestellt, die E-Books im .lit-Format vor allem auf PDAs und Smartphones brachte. Außerdem wurde Windows 7 vor allem als Systemlösung für produktive Anwendungen propagiert, weniger für mobilen Konsum – denn dafür gab es ja Windows Embedded Compact (ehemals Windows CE). Doch nun scheint ein genereller Wechsel der Firmenstrategie stattzufinden – Windows 8 wird explizit auch für Mobilgeräte mit stromsparenden ARM-Prozessoren entwickelt, die in den meisten E-Readern eingebaut werden.

E-Ink-Reader oder Lese-Tablet?

Wie der Windows-Reader konkret aussehen könnte, ist natürlich eine ganz andere Frage. Denkbar wäre ein sechs Zoll großes E-Ink-Gerät mit WiFi-Schnittstelle und Touch-Screen, das im Stil von aktuellen Kindle- oder Kobo-Modellen daherkommt. Microsoft selbst würde ein solches Gerät wahrscheinlich nicht selbst auf den Markt bringen, sondern Windows 8 ganz einfach für einen entsprechend konfigurierten Reader eines Dritt-Herstellers lizensieren. Eine noch wahrscheinlichere Möglichkeit ist allerdings ein lesefreundliches 7-Zoll-Tablet im Nook- oder Fire-Look. Dafür bräuchte es nicht einmal eine eigene E-Reader-Software – schließlich entwickelt Amazon bereits eine Windows-8-Version der Kindle-App.

(via zdnet & The Register)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".