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Mentale Bezahlschranke: Deutsche Tablet-Nutzer sind Paid-Content-Muffel

19 Mrz 2012

Tablets gelten der Paid-Content-Fraktion als die heilige Kuh unter allen digitalen Cash-Cows – ihre Touch-Screens sind schön groß und bunt, eignen sich also für attraktive Inhalte aller Art, vom E-Book über Games bis zum gestreamten Blockbuster. Zugleich sind viele Nutzer bereits über Handys & Smartphones auf kostenpflichtige Angebote konditioniert worden. Für amerikanische Konsumenten stimmt das wohl auch. Die Marktforscher von Nielsen haben mehrheitlich bereits die elektronische Geldbörse gezückt, um Content auf den Flachrechner zu bringen.

Dem aktuellen „US Digital Consumer Report“ für das vierte Quartal 2011 zufolge haben 62 Prozent bereits für Musik-Downloads bezahlt, 58 Prozent für E-Books, und knapp die Hälfte auch für Filme. Bei den Deutschen dagegen sieht es völlig anders aus: Tablet-Nutzer zwischen Kap Arkona und Berchtesgaden haben bisher zu 9 Prozent für Musik-Downloads den Bezahlknopf gedrückt, bei E-Books waren es sogar nur 7 Prozent, und für Filme 6 Prozent. Doch für Bezahlschranken-Befürworter wie Springer & Co. hat Nielsen zumindest auch etwas Nervenbalsam parat – denn ausgerechnet bei Nachrichten liegen die Deutschen mit den US-Amerikanern fast gleich auf. Während hierzulande 15 Prozent der Tablet-Nutzer bereits für News gezahlt haben – Spitzenwert unter allen abgefragten Medienkategorien – sind es auf der anderen Seite des Atlantiks 19 Prozent.

Die Deutschen dürfen also als Paid-Content-Muffel gelten. Die Europäer insgesamt aber keineswegs – vor allem die Italiener haben auf dem Touch-Screen die Spendierhosen an. Musik, Bücher oder Filme werden südlich der Alpen im Vergleich zu Deutschland doppelt und dreifach so häufig kostenpflichtig heruntergeladen. Die Briten halten ähnlich wie die Deutschen die Hand auf dem Portemonnaie. Zu den Motiven für die Abneigung gegen Paid-Content dürfte vor allem die Tatsache zählen, dass viele Inhalte via Webbrowser auch frei zugänglich sind. Auch wenn der Zugang nicht immer ganz so komfortabel ist, senkt sich bei Otto Normalsurfer hier offenbar eine mentale Bezahlschranke. Der App-Nation USA wiederum scheint etwas mehr Bequemlichkeit einiges Wert zu sein. Gerade im Bereich von Kinofilmen und TV-Shows wird Paid-Content dem Konsumenten dort aber auch verstärkt durch Flatrate-Tarife schmackhaft gemacht, während entsprechende Angebote in Deutschland noch Mangelware sind.

Abb.: Nielsen (Artikel) sowie flickr/zizzybaloobah (Startseite)