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Mehrwertsteuer für E-Books im Kindle-Store sinkt auf 3 Prozent – auch für deutsche Kunden

3 Jan 2012 Ansgar Warner 2 Kommentare

Die Nachricht klingt zunächst recht harmlos: Luxemburg hat zum 1. Januar 2012 die Mehrwertsteuer für E-Books von 15 Prozent auf 3 Prozent gesenkt. Schön für knapp 500.000 Luxemburger Leseratten, könnte man denken. Doch die neue Regelung betrifft auch deutsche Kunden – denn Amazon und Apple haben ihr europäisches Hauptquartier im Großherzogtum aufgeschlagen. Und nach geltendem Recht hängt der Mehrwertsteuersatz nicht davon ab, wo sich der Käufer befindet, sondern vom Firmensitz des Verkäufers. Schon bisher hatte also der Kindle-Store gegenüber Anbietern wie Libreka, Thalia oder Libri einen leichten Vorteil, denn in Deutschland werden E-Books mit 19 Prozent besteuert. Nun hat sich der Abstand stark ausgeweitet – ein Nettopreis von zehn Euro wird im Kindle-Store zu 10,30 Euro Brutto (vorher: 11,50 Euro Brutto), in Deutschland wie gehabt zu 11,90 Euro.

Steuer-Chaos ist erwünscht

Das Chaos ist gewollt – denn bei Steuern findet innerhalb der europäischen Union ein flächendeckender Unterbietungswettbewerb statt, um große Unternehmen anzulocken. In der Buchbranche klaffen bei der Mehrwertsteuer mittlerweile wahre Abgründe: in Spanien werden E-Books mit 25 Prozent besteuert, in Großbritannien mit 20 Prozent, in Frankreich lag der Satz bisher bei 19,6 Prozent. Vielleicht nicht ganz zufällig sank er zum Neujahrstag auf sieben Prozent. Schließlich grenzt das Land ja an Luxemburg. Interessanterweise verbieten eigentlich EU-Richtlinien die Anwendung ermäßigter Mehrwertsteuersätze auf digitale Güter. Die Absenkung in Luxemburg wie auch in Frankreich beruft sich deswegen auf eine andere EU-Empfehlung, nach der ähnliche Güter nicht unterschiedlich besteuert werden sollen. In beiden Fällen wurden also schlicht die Steuersätze von E-Books und gedruckten Büchern angeglichen. Das wäre eigentlich auch in Deutschland möglich: für gedruckte Bücher gilt schließlich bereits der ermäßigte Satz von sieben Prozent – und die Unterscheidung ist tatsächlich absurd.

Kaum Chancen für Schnäppchen-Jäger

Die meisten Kunden dürften von der Steuer-Änderung aber gar nichts mitbekommen haben. Denn bei den Angeboten der großen Verlage haben Amazon und Apple in der Silvesternacht die Netto-Preise automatisch erhöht, so dass die Endpreise gleich bleiben. Wegen der Buchpreisbindung ist das auch notwendig – denn dasselbe E-Book muss in unterschiedlichen E-Stores identisch ausgepreist werden. Letzlich erhöht sich somit lediglich die Gewinnspanne, wenn man E-Books via Amazon oder Apple vertreibt – für die großen Player ein deutlicher Wettbewerbsvorteil. Etwas anders sieht es bei Titeln aus, die im Rahmen des Kindle Direkt Publishing-Programms (KDP) angeboten werden. Hier sind die Autoren selbst für die Preisanpassung verantwortlich. Haben sie die Steuer-Affäre verschlafen, lässt sich in den nächsten Tagen vielleicht noch das eine oder andere Schnäppchen machen. So sank etwa der Endpreis eines E-Books, das via KDP für 2,99 Euro angeboten wurde, automatisch auf 2,68 Euro. Lange dürften solche Differenzen allerdings nicht zu sehen sein – denn auch Self-Publishing-Autoren unterliegen der Buchpreisbindung. Sind ihre E-Books anderswo teurer, droht ihnen theoretisch sogar eine Abmahnung. Wer E-Books ausschließlich via Amazon vertreibt, könnte dagegen die Ersparnis an die Leser weitergeben.

Abb.: flickr/James.Stringer

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