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Auf dem Weg zum Mehrwert-Medium: Barnes&Noble bündelt Print & E-Book

8 Mrz 2010

Barnes&Noble bietet E-Book und Print im Bundle_Bild_pixelio_gabisch.gifZwei zum Preis von einem – oder zumindest fast: die us-amerikanische Buchhandelskette Barnes&Noble will zukünftig gedruckte & elektronische Bücher stärker bündeln. Print-Käufer erhalten in der Buchhandlung einen Gutschein, mit dem sie die E-Book-Version verbilligt herunterladen können. Ergänzt wird das neue Angebot durch eine Print-On-Demand-Offensive – mit Hightech-Druckmaschinen wäre dann vor Ort die gesamte Backlist verfügbar.

B&N reagiert auf den wachsenden Anteil von E-Books am Verlagsgeschäft

Während deutsche Anbieter wie Libri oder Libreka auf den direkten E-Book-Verkauf im stationären Buchhandel setzen, greift Barnes&Noble in den USA eine alte Idee neu auf: die Medienkombination. In den nächsten zwei bis drei Monaten soll bereits ein Testlauf mit Print- und E-Book-Bundles beginnen, kündigte B&N-Chef William Lynch auf der Jahreshauptversammlung des amerikanischen Buchhandels an. Damit beugt sich der größte Buchhandels-Filialist der USA offenbar der normativen Kraft des Faktischen: viele Verlage würden in diesem Jahr bereits einen E-Book-Anteil am Umsatz von sieben bis zehn Prozent erwarten, wird Lynch von Publishers Weekly zitiert.

Besitzer von E-Readern dürften vor allem an niedrigen E-Book-Preisen interessiert sein

Die Logik hinter den Bundling-Plänen ist deutlich: Verbilligte E-Book-Versionen, die an die Print-Ausgabe gekoppelt sind, könnten manche Kunden davon überzeugen, dann doch lieber gleich die Printversion zu erwerben. Für die Verlage rechnet sich das auf jeden Fall – die meisten Kosten entstehen schließlich durch Druck und Vertrieb. Aus Kundenperspektive hat die Sache aber einen Haken: Gerade für Vielleser, die bereits einen E-Reader besitzen, macht solch ein Angebot keinen Sinn. Es sei denn, sie würden die Print-Ausgaben gleich wieder auf einer Second-Hand-Plattform weiterverkaufen. Doch das ist wohl kaum zu erwarten. Eine wachsende Zielgruppe dürfte in Zukunft vor allem an niedrigen E-Book-Preisen interessiert sein – unabhängig von physischen Büchern.

Von E-Books lernen: Mit Print-On-Demand wird die gesamte Backlist verfügbar

Immerhin zeigt der jüngste Vorstoß von Barnes&Noble, dass die Gutenberg-Galaxis langsam unter Anpassungsdruck gerät. Die gegenwärtige Strategie ist flexibel – sie koppelt auf clevere Weise Elemente von Print und Digital. In eine ähnliche Richtung geht auch die Ankündigung von B&N-Chef Lynch, man wolle in Zukunft verstärkt auf Print-On-Demand setzen. Wenn tatsächlich in jeder Filiale eine Express-Druckmaschine steht, wäre plötzlich jedes Buch, dass in digitalen Fassung vorliegt, auch als Print-Buch zu haben. Technisch ist das schon seit einiger Zeit möglich – nur waren die Druckmaschinen bisher noch zu teuer. Für große, publikumsstarke B&N-Filialen könnte sich das Geschäft aber mittlerweile lohnen.

Bild: Pixelio/Gabisch