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Mehr Einkaufserlebnisse jenseits von Online und der grünen Wiese schaffen: Ikea zieht es in die Innenstädte

8 Aug 2018

ikea-kommt-in-die-innenstadtIkeas Webshop gehört zu den zehn reichweitenstärksten Online-Shops in Deutschland, zugleich darf sich das schwedische Möbelhaus im stationären Bereich … auch zu den zehn größten Systemgastronomen hierzulande zählen, noch vor Vapiano oder Starbucks. Weil das Einkaufs- und Schlemmerlebnis vor Ort genauso wichtig ist wie das bequeme Bestellen von der Couch aus, wollen Ingvar Kamprads Erben jetzt eine interessante neue Strategie fahren — einerseits wird die Lieferlogistik optimiert und das Smartphone-Shopping verbessert (u.a. mit AR-Elementen), andererseits rückt Ikea im realen Leben bald auch hierzulande deutlich näher an die Kunden: in 15 – 20 Minuten soll jeder Großstadbewohner ins Reich der Möbelelche gelangen können, verkündete kürzlich Deutschland-Chef Bennis Balslev. Bisher dauert die Anfahrt im Schnitt eher so 50 – 60 Minuten — für viele ist dann mittlerweile die Onlinebestellung einfach bequemer, im großstädtischen Umfeld gehen die Besucherzahlen zurück.

Doch einfach nur das Möbelhaus von der grünen Wiese in die City-Lage verschieben will man nicht — denn das wurde in Hamburg bereits erfolglos getestet. Die Konsequenz: man braucht auch innerorts viel weniger Parkplätze, kleinere Warenlager, vor allem aber gezieltere Angebote. In Berlin z.B. günstige Möbel für ein junges Publikum plus schnellen Lieferservice (konkret: Stunden statt Tage), in München für betuchtere ältere Kunden etwa Designer-Kollektionen oder mobile Zusammenbau-Teams, die mit dem Imbusschlüssel und der Bauanleitung umgehen können. Die Größe der Stores wird variabel sein, kleinere Showroom- und Popupstore-Präsenzen hat Ikea bereits in Spanien, Dänemark und Schweden getestet.

Alles für alle wird es zukünftig also vor allem online und am Stadtrand geben, das lokale Angebot in der Innenstadt dagegen wird viel stärker auf regionale Besonderheiten zugeschnitten sein. Ein Phänomen, das man ja auch im Buchhandel beobachten kann: während es die großen Buchsupermärkte zunehmend schwerer haben, da sie letztlich nur den General Store im Web reproduzieren, sind individuell designte, auf das lokale Publikum zugeschnittene kleine Buchhandlungen im Aufwind.

Selbst Amazon beginnt ja derzeit, den Kunden auch stationäre Einkaufserlebnisse in einem bewusst begrenzten Rahmen zu ermöglichen, zumindest in den USA. Apropos Big A: natürlich ist Ikeas Strategie zugleich auch gegen die in alle Richtungen expandierende Online-Konkurrenz gerichtet — erklärtermaßen will Jeff Bezos ja auch ins E-Commerce-Möbelgeschäft vorstoßen. In den USA plant das Unternehmen bereits eigene Logistikzentren, die extra auf Großwaren vom Regal bis zur Schrankwand ausgerichtet sind.

(via zukunftdeseinkaufens.de

Abb.: Ikea Koblenz (cc-by-sa 3.0)