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„Mehr als ein Prototyp“ – Microsoft plant Dual-Screen-Tablet namens „Courier“

microsoft_courier_prototyp_e-readerMicrosoft plant offenbar ein Internet-Tablet mit Dual-Screen-Display. Eine aktuelle Konzeptstudie zum „Courier“ zeigt ein aufklappbares Gerät mit zwei sieben Zoll großen Farb-Bildschirmen. Bedient wird das Gerät per Touch-Screen, entweder mit den Fingern oder mit einem speziellen Tablet-Pen. Die intuitive Benutzeroberfläche nimmt Elemente der „Surface“-Software auf, die Microsoft speziell für Touch-Screens entwickelt hat. Der Courier kann auch als E-Reader genutzt werden, im Vordergrund stehen aber PDA-nahe Funktionen wie Terminplanung, E-Mail und Websurfen.

Das Courier sieht zwar aus wie ein E-Reader, ist aber eher ein High-Tech-Terminkalender

microsoft_courier_details_prototyp_2Viele Geräte-Hersteller setzten im Moment auf Dual-Screen, doch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Barnes&Noble genauso wie Spring Design kombinieren in ihren aktuellen E-Readern Nook bzw. Alex große E-Ink-Displays mit kleineren LCD-Displays – E-Ink ist schwarz-weiß, aber kontrastreich und spart Strom, LCD erlaubt Farbe und das Abspielen von Videos. Asus geht mit dem noch für dieses Jahr angekündigten EEe-Reader sogar noch einen Schritt weiter – hier sind E-Ink-Display und LCD-Touch-Screen gleich groß. Microsoft setzt dagegen auf zwei LCD-Screens – und geht damit einen Weg, den man als konsequente Weiterentwicklung des Netbooks bezeichnen könnte: statt Tastatur gibt es einen zweiten Bildschirm. Das ganze sieht hochkant tatsächlich aus wie ein Buch – doch die vom Tech-Blog Gizmodo gestreute Konzeptstudie zeigt, dass es eher in Richtung interaktives Notizbuch oder Terminkalender/Agenda gedacht ist, und nur nebenbei auch als E-Reader genutzt werden kann. Gegen die E-Reader-Funktionalität spräche auch der hohe Stromverbrauch von LCD-Displays – normalerweise verbrauchen sie bis zu einem Drittel der gesamten Energie.

Außer Konkurrenz: Ein Dual-Touch-Display für 75 Dollar

e-reader-in-der-schule-gute-idee-aber-bitte-kein-kindle.gifZwei Microsoft-Projekte sind nach Einschätzung von Engadget in das Courier-Konzept eingeflossen: einmal die intuitive Benutzeroberfläche InkSeine, die ähnlich wie Microsoft Surface per Touch-Screen einen nahtlosen Workflow mit Texten, Bildern und Web-Inhalten ermöglicht, zum anderen ein Dual-Screen-Prototyp namens Codex. Angeblich existiert auch das Courier bereits als serienreifer Prototyp – insofern hätte Microsoft einen Trumpf im Ärmel, wenn Apple demnächst sein langerwartetes Tablet auf den Markt wirft. Vielleicht ist aber jemand anderes noch schneller: Das One-Laptop-per-Child-Projekt hat mit dem OLPC XO2 nämlich für 2010 ausgerechnet ein Gerät mit Dual-Touchscreen angekündigt: horizontal ergibt sich ein normaler Laptop, der per Touchscreen-Tastatur bedient wird. Vertikal nebeneinander könnten zwei Seiten wie in einem Buch dargestellt werden, und flach aufgeklappt dient das Dual-Touch-Display als großes Tablet, z.B. um Landkarten darzustellen. Angestrebt ist ein Preis von 75 Dollar…

[Nachtrag 9.11.09]: In Reaktion auf das Courier-Tablet hat das One-Laptop-per-Child-Projekt sein Dual-Screen-Projekt gekippt, berichtet teleread. Die Leute von OLPC wollen nun das bestehende OLPC XO als Version X03 zu einem Reader-ähnlichen Gerät mit nur einem Bildschirm ausbauen, „single sheet, completely plastic and unbreakable, waterproof, 1/4″ thick, full color, reflective and transmissive“. Schade eigentlich, das Buch-Design hat mir sehr gut gefallen…]

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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