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Meerjungfrau trifft Huckleberry Finn: Mark Siegels Webcomic „Sailor Twain or the Mermaid in the Hudson“

22 Apr 2010 2 Kommentare

sailor-twain-mermaid-hudson-mark-siegel-webcomic-e-comic-bestseller1„Sailor Twain or the Mermaid in the Hudson“ kommt genau richtig zum diesjährigen Mark Twain-Jubiläum. Jeweils montags, mittwochs und freitags stellt Zeichner Mark Siegel eine neue Seite des Webcomics ins Netz – gezeichnet mit Holzkohle. Doch moment mal – geht es überhaupt um Mark Twain? Es gibt zwar einen Raddampfer-Kapitän namens Twain, doch die Story spielt nicht auf dem Mississippi, sondern auf dem Hudson. Und was hat eine Meerjungfrau mit Huckleberry Finn zu tun?

Mark Siegel, Mark Twain & die „Great American Graphic Novel“

„Die moderne amerikanische Literatur stammt von einem einzigen Buch Mark Twains ab, nämlich: Die Abenteuer von Huckleberry Finn“, urteilte Ernest Hemingway einmal. Tatsächlich halten viele Kritiker das Buch sogar für die „Great American Novel“ schlechthin, Huck Finn steht für sie gleich neben Melvilles „Moby Dick“. So wie man bei Hermann Melville an Walfänger und den Ozean denkt, so sind es bei Twain Raddampfer und der Mississippi. Twain kannte den längsten Fluss Nordamerikas wohl wie kein anderer. Liest man den berühmten Erzählband „Life on the Mississippi“, erfährt man zahlreiche Details über Twains Zeit als Lotse, unter anderem auch den Ursprung seines Pseudonyms: „Mark Twain“ war der Lotsenruf für „Zwei Faden Tiefe“ – wurde sie erreicht, konnten die Schiffe sicher manövrieren.

Ein Stapel Huckleberry Finns als Konterbande

Einen Kapitän namens Twain und einen Raddampfer gibt es auch in Mark Siegels Webcomic „Sailor Twain or the Mermaid in the Hudson“. Allerdings spielt die im Januar gestartete Comic-Serie nicht auf dem Mississippi, sondern auf dem Hudson River, zwischen den Stationen New York und Albany. Gegenüber Publishers Weekly beschrieb Mark Siegel die Story so: “Es ist das Jahr 1887, die Tiefen des Hudson River bedecken die unergründlichen Geheimnisse zweier Männer: der Besitzer eines Dampfschiffs, der jeden Morgen eine Flaschenpost über Bord wirft, und der Kapitän des Bootes, der eine verwundete Meerjungfrau rettet. Dazu kommt noch ein berühmter Schriftsteller, der beide Männer davon abhalten wird, ihr Geheimnis mit in das nasse Grab zu nehmen.“ Der Raddampfer Lorelei, so erfährt man zu Beginn, wird bei einem Unfall sinken, zahlreiche Menschen werden dem Schiffsunglück zum Opfer fallen. Wer die im Januar 2010 gestartete Serie verfolgt, wird mittlerweile schon genauer mutmaßen können, welcher berühmte Schriftsteller im Verlauf der Handlung an Bord kommt. Nicht umsonst taucht bereit s im ersten Kapitel als Konterbande ein Stapel frisch gedruckter Ausgaben von Huckleberry Finn auf…

Auf Twains Spuren: Der Webcomic als Fortsetzung der Serienpraxis

Jeweils montags, mittwochs und freitags erscheint eine neue Folge – in Form eines Scans des handgezeichneten Original. Die technische Grundlage von Sailor Twain liefert übrigens Comicpress, eine WordPress-Erweiterung speziell für Comic-Blogs. Ergänzt werden die schwarz-weißen Holzkohle-Zeichnungen mit Siegels Kommentaren, Fotos und Rechercheergebnissen zur Geschichte des Hudson & der Dampfschiffahrt im späten 19. Jahrhundert. Am Ende soll die komplette Geschichte als gedruckte Graphic Novel im Verlag First Second herausgebracht werden. Dieser Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Graphic Novel zu einer neuen Kunstform zu machen. Chef von First Second ist niemand anderer als Mark Siegel selbst. Sein Namensvetter Mark Twain verdiente sich lange Jahre sein Geld als Journalist, und auch viele der Romane wurden zunächst von Zeitungen abgedruckt. Ein bisschen sieht sich auch Siegel in dieser Tradition: “Das Ganze ist eine Neuauflage der Serien-Praxis des 19. Jahrhunderts – der Webcomic ist eine Fortsetzungsgeschichte mit modernen Mitteln.“

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