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Manga macht mobil: Japanische E-Comics erobern Europas Handys

22 Jun 2009

Japan liebt Handys, und Japan liebt Mangas: Nippons Jugend liest Serien wie Naruto, Dragon Ball oder Death Note deswegen schon seit Jahren als E-Comic auf dem „Keitei„, also dem Mobiltelefon. In Zukunft könnten die Franzosen die ersten Europäer sein, die zur mobilen Manga-Fraktion gehören. Der japanische Telekommunikations-Anbieter DOCOMO bringt in Zusammenarbeit mit Bouygues Telecom die „Bande Dessinée“ aus dem fernen Osten auf die Displays französischer E-Comic-Fans. Für drei Euro können die ca. 9,7 Millionen Handy-Kunden des Anbieters ein komplettes Album herunterladen (natürlich „en francais“). Frankreich ist auf jeden Fall ein ideales Testfeld: neben Belgien werden nirgendwo sonst in Europa soviele Comics produziert und gelesen. Auch die japanischen Mangas erfreuen sich zwischen Ärmelkanal und Cote d’Azur großer Beliebtheit.

E-Comics sind nur der Anfang: DOCOMO will die japanische Handy-Kultur nach Europa bringen

Die Manga-Offensive ist aber nur Teil einer Gesamtstrategie: Nach und nach will DOCOMO offenbar die erfolgreichsten japanischen Handy-Applikationen nun auch in Europa vermarkten. Das macht durchaus Sinn: Denn auch die Europäer gewöhnen sich zunehmend an mediale Angebote, die man per Handy konsumiert. Die aktuelle Microsoft-Studie „Login:Europe“ prognostiziert, dass sich bis zu 50 Prozent aller Online-Anwendungen innerhalb weniger Jahre auf mobilen Geräten abspielen werden. Im Bereich von E-Comics sind die einzigen ernstzunehmenden mobilen Angebote bisher vor allem für das iPhone und iPod Touch erhältlich und werden über Apples App Store vertrieben. Zu den größten Anbietern gehört dabei das us-amerikanische Verlagshaus IDW, hier sind u.a. die E-Comics von Star Trek und Terminator erschienen.

Das erste Kapitel der japanischen E-Comics gibt’s sogar kostenlos

Die meisten Serien sind bisher — wenn überhaupt — lediglich online als Web-Comic zu lesen. Zu den Vorzügen der japanischen Mangas für das Handy gehört es dagegen, dass man sie herunterladen und wie E-Books jederzeit offline lesen kann. Grundlage ist wie bei vielen Apps für das iPhone eine vom Anbieter DOCOMO gelieferte E-Comic-Reader-Software. Die Vermarktungsstrategie der E-Comics nimmt ähnlich wie im E-Book-Handel auf den digitalen Warencharakter Rücksicht: Das erste Kapitel eines Mangas wird jeweils als kostenloses Probierhäppchen angeboten.

Auf dem Papier sind die Franzosen Comic-Nation Nummer Eins. Nur bei E-Comics hapert es noch…

Eigentlich brauchen die Franzosen keine Nachhilfe in Sachen Comics. Das Land verfügt über eine der reichsten Comic-Kulturen in Europa. Jedes Jahr erscheinen mehr als 4000 neue Alben. Doch den einzigen E-Comic-Boom gab es bisher bei den sogenannten BD-Blogs und Web-Comics. BD-Blogs bloggen sozusagen im Comic-Format (siehe blogsbd.fr), manche sogar täglich. Die Zeichnungen entstehen oft noch auf Papier. Seiten wie webcomics.fr stützen sich dagegen auf digital produzierte Serien von Nachwuchs-Autoren. Die großen Verlagshäuser wie Casterman, Dargaud oder Lombard halten sich seit der Dot.Com-Krise mit Internet-Aktivitäten deutlich zurück. Die Web-Plattform Readbox.com bietet zwar Leseproben populärer Serien für den Adobe-Flashplayer, doch um die komplette Folge von Thorgal oder Long John Silver zu lesen, muss man weiterhin an den Kiosk gehen. Tant mieux! Schließlich gibt es Gauloises Blondes ja auch nicht online. Doch mit dem Start der mobilen Mangas sind die Karten neu gemischt…