Macht Nintendo mobile Spiele-Konsolen (Wii U/3 DS) zum E-Reader?

„Rache für das iPad“ könnte man Nintendos neue Strategie bezeichen. Denn angeblich plant das japanische Unternehmen einen eigenen App Store für die mobile Wii U-Konsole, der auch E-Books, E-Comics und elektronische Zeitschriften enthalten soll. Der Schritt klingt konsequent – die Tablets von Apple haben schließlich ihrerseits kräftig im Games-Bereich gewildert. Drahtlosen Zugang zum neuen Nintendo-Store könnte auch die WiFi-fähige 3DS-Konsole bekommen. Anders die für Mitte 2012 angekündigte Wii U ist dieses Handheld mit zwei 3-Zoll-Displays bereits seit letztem Jahr auf dem Markt. Die Wii U kommt dagegen sogar mit einem 6-Zoll-Touchscreen, das sich weitaus besser für mobile Lektüre eignen dürfte. Wobei „mobil“ in diesem Fall nur das Umfeld der Wohnzimmer-Couch bezeichnet. Denn das Touch-Screen dient als mobiler Controller für die eigentliche Basisstation.

E-Books drahtlos auf die Konsole gestreamt

Erstmals vorgestellt wurde das Wii U-Konzept im letzten Sommer auf der E3 (Electronic Entertainment Expo), vom App Store war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht die Rede. In die Welt gesetzt wurde das Gerücht vom Branchenblog ForgetTheBox, der sich wie üblich auf einen namentlich nicht genannten Insider beruft. Über die Features der elektronischen Buchhandlung heißt es: „These publications would stream to your Wii U controller’s touchscreen, and you could go lay in your bed or couch and read them. The touch screen would be used to flip through pages of an e-book or magazine, and there would even be a searchable index“. Auch das Ein- und Auszoomen in den Text soll möglich sein. Letztlich gehe es Nintendo bei dem auch für die 3DS-Konsole anvisierten Service darum, Apples Erfolgskonzept zu kopieren. Auch der Original App Store richtet sich ja mit iPod Touch, iPhone und iPad an unterschiedliche Geräte. Eine offizielle Bestätigung der neuen Content-Strategie erwarten Beobachter auf der in Kürze startenden CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas.

Was wollen Konsolenzocker wirklich lesen?

Vorbilder für die elektronische Lektüre auf mobilen Spielekonsolen gibt es bereits. So bot Sony für die Play Station Portable E-Comics wie X-Men, Spiderman, Transformers und Star Trek zum direkten Download an. Und auch Nintendo selbst hat bereits Erfahrungen mit E-Book-Content auf der DSi XL-Konsole gemacht. In Kooperation mit DTV kam 2010 ein spezielles Spielmodul in den Handel, das die Texte von mehr als 100 deutschen Klassikern enthielt. Mit zwei 4-Zoll-Farbdisplays lässt sich die aufklappbare DSi XL hochkant wie ein richtiges Buch benutzen. Ob die Konsolenzocker aber auch auf der Wii U in einer Spielpause wirklich Play Classics wie Nathan der Weise oder Danton’s Tod lesen wollen, bleibt abzuwarten. Am sinnvollsten scheint letztlich die Idee, neben aktuellen Strategy-Guides auch vergriffene Spieleanleitungen oder alte Ausgaben des offiziellen Nintendo-Magazins („Nintendo Power“) auf’s Display zu bringen.

(via ebook-fieber, slashgear, ForgetTheBox)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".