„Macht die E-Books billiger!“ – Think Tank der Deutschen Bank kritisiert Preispolitik der Verlage

macht-die-ebooks-billiger-deutsche-bank-think-tank-kritisiert-preispolitik-verlage1„Macht unsre Bücher billiger!“, forderte der Schriftsteller Kurt Tucholsky bereits vor siebzig Jahren. Spätestens mit Rowohlts Rotations Romanen (Rororo) wurde diese Forderung erfüllt. Doch warum kosten E-Books immer noch genauso viel wie Taschenbücher? Die merkwürdige Preispolitik der Verlage wird jetzt sogar vom Think Tank der Deutsche Bank Gruppe kritisiert: teure E-Books vergraulten gerade junge, technikaffine Leserschichten. Und damit das Publikum der Zukunft.

“Möglichst viele Buchstaben für möglichst wenig Geld!“ – klingt das nicht nach E-Books!?

„Lieber Meister Rowohlt, liebe Herren Verleger! Macht unsre Bücher billiger!“, forderte Kurt Tucholsky schon vor mehr als siebzig Jahren in der Weltbühne. Die Worte des Schriftstellers wurden erhört – von Rohwohlt selbst. Mit „Rowohlts Rotatations Romanen“ kamen in der Nachkriegszeit Bücher heraus, die man zunächst Kosten und Papier sparend auf Zeitungspapier druckte. Romane von Hemingway, Conrad oder Tucholsky gab’s plötzlich für 50 Pfennig. Die aus dieser Aktion hervorgegangene Rororo-Taschenbuchreihe gibt es sogar bis heute. Neben den Taschenbüchern stehen nun allerdings seit einiger Zeit die E-Book-Ausgaben. Doch was ist mit Rowohlts Nachkriegsdevise „Möglichst viele Buchstaben für möglichst wenig Geld“? Tja – Fehlanzeige: E-Books kosten bei Rohwohlt genauso viel wie Taschenbücher. Und nicht nur bei Rowohlt. Ist das wirklich eine gute Idee? Eigentlich nicht. Deswegen findet Tucholskys alte Forderung mittlerweile sogar Fürsprecher beim Think Tank der Deutsche Bank Gruppe.

“Das E-Book-Angebot in Deutschland muss ökonomisch interessanter werden“

Die Verlage, so fürchtet Kommentator Felix Gottschalk, könnten mit ihrer restriktiven Preispolitik ausgerechnet das junge, technikaffine Publikum vergrätzen: „Junge Leute lernen den Umgang mit neuen Geräten leicht und nutzen so deren Vorteile besonders gut. Dadurch kann das E-Book Literatur für junge Menschen attraktiver machen und der Branche neue Kunden erschließen.“ Gottschalk macht aber noch andere Bereiche aus, in denen E-Books den Verlagen neue Absatzmärkte erschließen könnten – etwa beim Verkauf von Sachbuchkapiteln oder einzelnen Artiken aus Zeitschriften. Als Vorbild nennt Gottschalk die USA – dort sei der Marktanteil von elektronischer Lektüre bereits zehn mal höher als in Deutschland. Wer auch bei uns eine „höhere Marktdurchdringung“ wolle, müsse dafür sorgen, dass das Angebot „ökonomisch interessanter“ werde. „Schon heute greifen viele Kunden lieber zur günstigen Taschenbuchausgabe als zur teuren gebundenen Version. Diesen Käufern wird es wahrscheinlich nicht gefallen, wenn ein E-Book mit variablen Herstellkosten nahe Null nicht unter dem Preis gebundener Bücher angeboten wird“, moniert Gottschalk zu recht.

Immerhin: Tucholsky als E-Book gibt es selbst bei Rowohlt zu iTunes-Preisen

Dabei ließen sich profitable Erlösmodelle durchaus mit günstigen E-Book-Preisen kombinieren: „Beispielsweise bietet der Online-Vertrieb von E-Books viele Werbeflächen und die Möglichkeit zur personalisierten Werbung“. Auch die Bibliotheken hat Gottschalk dabei im Auge: so sei ein neues Bezahlmodell denkbar, bei dem die Büchereien nach jeder erfolgten Ausleihe eines E-Books ein bestimmtes Entgelt an den Verlag entrichten. Um die Zukunft des E-Books an sich macht sich Gottschalk auf jeden Fall keine Sorgen – es werde sich in ähnlicher Weise durchsetzen wie das MP3-Format im Musikbereich. Fraglich sei lediglich, wieviel die Verlage noch an E-Books verdienen könnten, wenn die Kunden auch für ihre Lektüre massenhaft auf kostenlose Download-Varianten ausweichen würden. Im Fall von Tucholsky besteht da übrigens keine Gefahr: Klassiker wie Schloß Gripsholm oder Rheinsberg gibt es selbst bei Rowohlt zu iTunes-Preisen. Das hat natürlich einen ganz einfachen Grund – die Autorenrechte sind abgelaufen, kostenlose Versionen gibt es ganz legal im Internet. Trotzdem dürften die gut aufbereiteten Rowohlt-E-Books für 1,99 Euro durchaus konkurrenzfähig sein…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „„Macht die E-Books billiger!“ – Think Tank der Deutschen Bank kritisiert Preispolitik der Verlage“

Kommentare sind geschlossen.