Lokale (Buch-)Kaufkraft stärken: Buy-Local und buchhandel.de kooperieren

buchhandlung-finden„Global klicken. Lokal kaufen“, so lautet das gutmenschige Motto vieler Initiativen, die den Einzelhandel fit für das E-Commerce-Zeitalter machen wollen. Wäre ja schön, wenn die Kundenströme weder auf der grünen Wiese vor der Stadt noch bei Amazon versickern, sondern z.B. in die Bücherstube um die Ecke gelenkt werden, respektive deren Website. „Online-Einkäufe müssen nicht am stationären Handel vorbeigehen“, meint auch Martin Riethmüller von der mittelständischen Discoverability-Kampagne BUY LOCAL. Und weiß zugleich: „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Unternehmen gut im Netz zu finden sind“. Sind sie das denn!?

Es gibt nichts, was es nicht gibt

Ich hab’s mal versucht: Tatsächlich sind bei BUY LOCAL auch ein paar Buchhändler aktiv, die „Fachgeschäfts-Suche“ von buylocal.de ergibt im Großraum Berlin immerhin fünf Buchbox!-Filialen und eine Handvoll sonstiger Bücherstuben, deren Webpräsenzen es theoretisch erlauben würden, dort Bücher oder sogar E-Books zu erwerben, wenn man es denn unbedingt wollen würde. Besonders toll ist das aber alles nicht, bundesweit sind ohnehin gerade mal 150 Buchhandlungen vertreten. Was wohl ein Grund sein mag, das BUY LOCAL nun mit Buchhandel.de kooperiert.

Die von der Börsenvereinstochter MVB betriebene Plattform versteht sich als DIE übergreifende, unabhängige E-Commerce-Plattform der Buchbranche. „Wer seine Bücher über buchhandel.de kauft, unterstützt bewusst seinen Buchhändler vor Ort, ohne dabei auf die Vorteile des zeit- und ortsunabhängigen Online-Shoppings verzichten zu müssen“,so Burkhard Schwetje, Produktmanager buchhandel.de bei der MVB.

Buchhandel.de als Best Practice

Tatsächlich überzeugt das Buchhandel.de-Konzept schon eher, nicht nur was das Frontend angeht: denn hier sind mittlerweile 850 Buchhändler eingebunden, Buchbestellungen können also in vielen Fällen auf buchhandel.de zugunsten einer Buchhandlung vor Ort abgewickelt werden, ohne dass man deren zumeist schrecklichen White-Label-Shop-Systeme nutzen muss oder auf eine schnöde E-Mail-Bestellung angewiesen bleibt.

Damit in Zukunft nun alles etwas besser wird, sind bereits 80 Buchhändler parallel auf BUY LOCAL und Buchhandel.de aktiv, insbesondere verlinken sie auch in Richtung der MVB-Plattform. „Ziel beider Initiativen ist es, die Auffindbarkeit im Netz für Mitgliedsunternehmen aus dem stationären Handel zu steigern“, proklamiert die zu diesem Anlass herausgegebene Pressemitteilung. So könne man von „wachsenden E-Commerce-Umsätzen profitieren“.

Hoffen wir mal, dass die kleinen Buchhändler genügend loyale Kunden haben, die sich wirklich die Mühe machen, sie online zu finden (z.B. via buchhandlung-finden.de von buchhandel.de-Partner Vorsicht Buch!), bevor sie den Daumen senken… und auf dem Tablet den Bestellknopf bei Amazon, Thalia oder Hugendubel antippen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

4 Gedanken zu „Lokale (Buch-)Kaufkraft stärken: Buy-Local und buchhandel.de kooperieren“

  1. „Warum wollen die Leute u.a. in den USA wohl wieder von den langweiligen Ketten weg?“

    Weil die „langweiligen Ketten“ in kleinen Ortschaften die Läden dicht machen. Deshalb werden auf einmal Nischen frei für kleine unabhängige Läden.

    Ich stimme Ihnen ja zu, dass es „tolle, kleine, sehr engagierte Buchhandlungen“ gibt. Sowas finden Sie in allen Bereichen des Handels. Fraglich ist aber, ob das ausreicht, wenn man ein Produkt wie das Buch verkauft, das bei allen Händlern gleich ist. Was ist dann noch die individuelle Leistung des Händlers? Die Beratung? Halten Sie mich wieder für überheblich, wenn Sie wollen, aber Beratung brauche ich keine, ich finde meine Lektüre ganz alleine.

  2. Sie beginnen den Kommentar mit der starken Bemerkung, dass „Global klicken. Lokal kaufen.“ ein „[…} gutmenschiges Motto […]“ sei. Das Wort ‚Gutmensch‘ belegte zurecht den zweiten Platz bei der Wahl zum ‚Unwort des Jahres 2011‘, stammt es doch wahrscheinlich aus vergifteten Diskursen (siehe Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung).

    Zum Inhalt: Haben Sie ernsthaft erwartet, dass die Kooperation von Buchhandel.de und BUY LOCAL direkt mit Amazon verglichen werden kann? Sicherlich ist die Bedienung eines Knopfes am Tablet sehr bequem, doch auch Buchhandel.de kann mittelfristig solche Buttons implementieren, oder etwa nicht? Technisch gibt es sicherlich Nachholbedarf bei kleinen Händlern, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

  3. Machen Sie es doch erst einmal besser, als hier überhebliche Kommentare zu schreiben. Es gibt so viele tolle, kleine, sehr engagierte Buchhandlungen (auch technisch). Warum wollen die Leute u.a. in den USA wohl wieder von den langweiligen Ketten weg?

  4. Gegen die großen Internethändler müsste der Handel geschlossen auftreten. Aber das passiert im Buchhandel nicht, stattdessen zerfallen die gut gemeinten Initiativen in konkurrierende Projekte wie buylocal.de und genialokal.de.
    Der eine Händler hat einen eigenen Webshop, der nächste nutzt den Baukasten von Libri, ein dritter bietet nichts außer einem Mail-Kontaktformular auf seiner Webseite.
    Und als potenzieller Kunde soll ich mich dann durch unterschiedlichste Suchportale klicken, um an einen Händler verwiesen zu werden, der am anderen Ende der Stadt seinen Laden hat?

Kommentare sind geschlossen.