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Lokal denken, global verkaufen: Google schluckt Verlag für Travel-Guides

14 Aug 2012

„Niemand hat die Absicht, eine Buchhandlung zu eröffnen“, beruhigte Google die Buchbranche, als Mitte der Nuller Jahre das legendäre Scan-Projekt in Bibliotheken startete. Sehr lange hat sich der Suchmaschinen-Riese nicht an das Versprechen gehalten – aus der Google Booksearch wurde längst ein veritabler E-Store. Nun geht Google einen Schritt weiter: das Unternehmen mausert sich zum Verleger. Mit dem gerade bekannt gegebenen Kauf von Frommers.com zum Preis von 23 Millonen Dollar erweitert die Konzernzentrale in Moutain View ihr Portfolio um einen Fachverlag für Travel-Guides. Branchenbeobachter sehen darin einen weiteren Schritt, um den Berich „Location Based Services“ (z.B. Google Earth, Google Maps etc.) möglichst effizient mit firmeneigenen Content-Angeboten zu verknüpfen. Bereits im letzten Jahr hatte Google sich in diesem Zusammenhang die Gastro-Guide-Plattform Zagat einverleibt.

„Das sollte Verleger beunruhigen“

Nicht umsonst stellt Google zu diesem Thema fest: „Unser Ziel ist es, mit der lokalen Suche den Menschen dabei zu helfen, genau die Informationen für den jeweiligen Ort zu finden, die sie brauchen. In manchen Fällen ist es unserer Meinung nach dabei am hilfreichsten, wenn ein Nutzer direkt zu einer bestimmten Website oder einem bestimmten Produkt gelenkt wird.“ Dazu könnten dann in Zukunft also auch Reiseführer gehören, ob als E-Book oder als Print-Produkt. Doch ist die Buchbranche durch Googles neuesten Einkauf wirklich im Kern betroffen? “Das sollte Verleger eigentlich schon beunruhigen“, so Hugh McGuire, Gründer der E-Book-Plattform pressbooks.com, gegenüber der New York Times. “Denn wir erleben hier die Entstehung neuer Business-Modelle rund um das Buch, die im Zentrum das Internet haben – mit dem sich viele Publisher bisher aber lieber nicht beschäftigen wollten.“

Um gedruckte Bücher geht’s hier wohl nicht (mehr)

Ob Google in diesem Fall tatsächlich noch an gedruckten Büchern Interesse hat, ist dabei eine ganz andere Frage. Erwartet wird vielmehr, dass es beim Erwerb von Frommers.com vor allem um die digitale Sparte ging, deren Content entweder direkt online im Rahmen von Googles Web-Angeboten oder als E-Book verwertet werden kann. Bleibt natürlich noch die bisherige Web-Plattform Frommers.com übrig. „We’re thrilled to announce that Frommer’s will soon be part of Google“, kann man dort auf der Startseite lesen. Doch der Thrill war wohl von einer ganz besonderen Art. Denn inzwischen wurde bekannt, dass das in Hoboken/New York beheimatete Online-Team gefeuert wurde. Die Verlags-Mannschaft dagegen zieht lediglich um – in Richtung Chelsea, Googles New Yorker Standort. Dort werden die Travel-Guide-Experten zukünftig Tür an Tür mit ihren Kollegen von Zagat sitzen.

Abb.: Screenshot