Literarische Netzspinne: Thalianext verknüpft Discoverability & Kuratierung

thalianextWer weiß es besser, wo der ideale Lesestoff lauert: Mensch oder Maschine? Während Amazon auf immer klügere Algorithmen setzt, um dem Leser passend zu seiner bisherigen Kaufhistorie neue Bücher zu empfehlen, bastelt die große deutsche Buchhandelskette Thalia an einer Buchempfehlungs-Plattform mit menschlichem Backend: Als Clickworker im Hintergrund werden die eigenen Buchhändler eingespannt, deren „Buchhändler-Rezensionen“ ohnehin schon seit Oyo-Zeiten im elektronischen Handel genutzt wurden.

Ähnlichkeit ist Trumpf

Beim neuen Konzept geht es allerdings nicht nur um Rezensionen und Bewertungen, sondern auch um Verknüpfungen mit ähnlichen Titeln: inzwischen haben nach Informationen von Buchreport bereits mehr als 570 teilnehmende Buchhändler über 13.000 Titel miteinander verbandelt, bald sollen es schon 100.000 sein. Mittel zum Zweck sind spezielle Crowdsourcing-Apps für Tolino Tablets und Smartphone. Die Ergebnisse dieser Bemühungen lassen sich seit kurzem in der Thalia-App bewundern: im Bereich Thalianext kann zu einem der bereits erfassten Titel eine Netzspinne angezeigt werden, die vergleichbare Titel vor allem aus dem Belletristik-Sektor miteinander verbindet.

Kompetenz von textunes

Dabei macht sich für Thalia mal wieder bezahlt, das schon vor einiger Zeit mit der Lese-App-Schmiede textunes ein Spezialist für Elektronisches Lesen und digitales Buchmarketing übernommen wurde – auch optisch macht die neue Funktion einiges her. Wählt man ein Buch aus, das mit einem anderen Titel verknüpft ist, wird auf der entsprechenden Artikel-Seite auch gleich die Buchhändler-Besprechung angezeigt. Die aktuellsten Buchhändler-Bewertungen findet man zudem direkt auf der Startseite von Thalias Cross-Channel-App.

Discoverability trifft Kuratiereung

Auch wenn keine App den Besuch einer Buchhandlung ersetzen kann: Besser als die ubiquitären Bestseller-Rankings und Kategorien-Listings ist das kuratierte Buchgeflecht wohl allemal. Interessanterweise läuft es bei Apple Music, dem neuen Musikdienst made in Cupertino, ganz ähnlich: dort sind die die von Expertenhand erstellten Playlists der eigentliche Clou. Discoverability und Kuratierung werden uns wohl zukünftig noch öfter im Doppelpack begegnen…

(via Buchreport)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".