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„Liebling, ich habe das DRM von deinem E-Book entfernt“ – Oder: So schützt man Bücher vor Adobe…

11 Feb 2014

Wozu ist Digital Rights Management gut? Spätestens seit dem Wochenende weiß ich es – DRM motiviert Digital Natives zum zivilen Ungehorsam, vor allem innerhalb der Familie. Nach dem Kauf eines kopiergeschützten Bestsellers zum Preis von 19,99 Euro stellte sich plötzlich heraus: der letzte epub-fähige E-Ink-Reader im Haushalt hatte nach fünf Jahren seinen Geist aufgegeben. Mit dem Kindle-Reader jedoch lassen sich kopiergeschützte epubs nicht öffnen. Sollten wir unsere Augen also zu später Stunde mit dem Display von Smartphone oder Tablet quälen? Lieber nicht. Alternative eins: das selbe Buch nochmal im Kindle-Store kaufen. Kostenpunkt: weitere 19,99 Euro. Super Idee! Alternative zwei: den gecrackten Titel auf diversen Piratenplattformen herunterladen. Obwohl ich ihn schon gekauft habe? Ebenfalls Schwachsinn. Blieb noch Alternative drei: Macbook hochfahren, epub-Titel mit Calibre importieren und in Richtung Kindle-Format umformatieren. Geht nicht? Geht wohl. Mit einem entsprechenden Plugin nämlich.

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DRM-entfernen mit Calibre-Plugins

Der ebenso perfekte wie alltagstaugliche Kopierschutz existiert gar nicht. Denn damit man eine Datei überhaupt auf einem lokalen Rechner nutzen kann, muss auch der Schlüssel zum digitalen Schloss vor Ort vorhanden sein. Beim DRM-Branchenstandard Adobe Digital Editions ist das beispielsweise eine Datei mit dem Namen „adeptkey.der“. Das machen sich Calibre-Plugins wie etwa „DeDRM“ zunutze – sie suchen automatisch nach solchen Schlüsseln und importieren die unverschlüsselte Datei in das E-Book-Verwaltungsprogramm. Die Installation ist simpel: man geht im Calibre-Menü „Einstellungen“ unter „Erweitert“ auf den Bereich „Plugins“. Über den Dialog „Lade Plugin von Datei“ kann man dann das „DeDRM“-Plugin hinzufügen. Nach dem nächsten Start von Calibre sollte das Plugin dann die Arbeit aufnehmen und epubs mit DRM automatisch importieren.

Einfaches „Rippen“ macht Piratenplattformen überflüssig

Will man kopiergeschützte Kindle-Dateien der Calibre-Bibliothek hinzufügen, muss man das Plugin noch anpassen, indem man in einem Extra-Dialog die Seriennummer des E-Ink-Kindles eingibt. Die letzte DeDRM-Plugin-Version 6.08 funktioniert mit den aktuellen Calibre-Versionen 1.2x auf Mac und PC. Für den Hausgebrauch wird das Importieren von E-Books in die Literaturverwaltungs-App Calibre damit so einfach wie das populäre „Rippen“ einer CD oder DVD. Wie ich aus vielen Gesprächen mit KollegInnen weiß, ist aber auch das Entfernen von E-Book-DRM für private Zwecke selbst in Verlagen, Redaktionen und Amtsstuben längst Alltag – zumindest bei technikaffinen Menschen. Höchste Zeit, dass mit Hilfe von einfach zu bedienenden Plugins auch der normale Leser seine E-Books zum „guten Buch“ machen kann, und das heißt: zu einem normal zu benutzenden Buch. Piratenplattformen wären dann für Buchhandelskunden endlich überflüssig.

„Nur für den privaten Gebrauch“

Übrigens sehen das selbst Anti-DRM-Aktivisten wie Apprentice Alf so, auf dessen Webseite man u.a. das DeDRM-Plugin herunterladen kann. Dort heißt es nämlich: „Bitte nutzt diese App nur dafür, um vollen Zugang zur euren eigenen E-Books zu erlangen, zwecks Archivierung, Konvertierung, Komfort. DRM-befreite E-Books sollten nicht auf offen zugängliche Server, Torrents oder andere Plattformen für Massen-Distribution hochgeladen werden. Solche Handlungen werden von uns nicht unterstützt. Autoren, Buchhändler und Verleger müssen ihren Lebensunterhalt verdienen – nur so können sie auch in Zukunft Bücher für uns Leser produzieren. Seid keine Schmarotzer!“ Richtig ist aber auch: In den eigenen vier Wänden genutzt, kann DeDRM sogar das Wochenende retten.

Abb.: Flickr/Falldownmoon (cc)


Übrigens: Mehr Infos zu Themen wie DRM, E-Book-Formate, Calibre & Co. findet man im neuen „ebook & ereader abc“, erschienen bei ebooknews press…